Fragen und AntwortenProf. Dr. Andrea Ammon

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Sie sind ausgebildete Medizinerin, jetzt jonglieren sie mit Daten. Wie kommt man zu so einem Job?

Als ich gerade mein Studium abgeschlossen hatte, begannen in Deutschland die ersten großen Aufklärungskampagnen für HIV und AIDS. Damals wurde in jedes Gesundheitsamt eine Fachkraft entsandt, die auf lokaler Ebene Aufklärungsarbeit leisten sollte. Das habe ich sieben Jahre lang gemacht. In den letzten beiden Jahren habe ich parallel dazu ein Public Health-Studium absolviert. Darüber bin ich 1996 ans Robert-Koch-Institut nach Berlin gekommen. Das RKI hat damals erstmalig ein Trainingsprogramm in Field Epidemiology angeboten. Wir haben gelernt wie man Ausbrüche von Infektionskrankheiten untersucht, die Surveillance macht und wie man Epidemiologische Studien erstellt. Schwerpunkt meiner Forschungsarbeit waren die Lebensmittelinfektionen. In Stockholm bin ich jetzt seit vier Jahren.


Als Sie Ihr Medizin-Studium begannen, hatten Sie da schon diesen Beruf vor Augen?

Nein, gar nicht. Vor allem deswegen nicht, weil es das Berufsbild des Infektions-Epidemiologen zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch gar nicht gab. Ich wollte Kinderärztin werden. Während meiner Doktorarbeit und im letzten Studienjahr, das wir ja in der Klinik absolvieren, habe ich realisiert, dass der Alltag eines Mediziners meist darin besteht, den Menschen zu helfen mit ihren Symptomen zurecht zu kommen. Diese Individual-Therapie ist wichtig. Aber die Prävention ist eine ebenso wichtige Ergänzung. Und mir liegt dieses Arbeitsfeld sehr.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich bin sehr viel unterwegs auf Tagungen und Kongressen. Vor allem aber muss ich meine Abteilung aufbauen. Momentan sind wir ein Team von 33 Leuten, weitere 15 Stellen müssen wir noch besetzen.  Ausserdem gilt es, die Vision von Surveillance in Europa, die wir im letzten Jahr veröffentlicht haben, nun in die Tat umzusetzen. Dazu sind wir im intensiven Meinungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen in allen Mitgliedsstaaten.

 

Ist diese Aufgabe eine Belastung?

Nein, das ist eine Herausforderung, die ich als positiv empfinde. Wir liefern die wissenschaftlichen Daten mit denen dann die Länder und lokalen Behörden reagieren können. Das Schöne an dem Job ist, dass man relativ kurzfristig wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen hat.

 

Von München mit Zwischenstation in Berlin, hat es sie jetzt nach Stockholm verschlagen. Wo sind Sie zu Hause?

Meine Reise ging immer weiter nach Norden – eigentlich wollte ich in die entgegengesetzte Richtung. Ich bin eher ein Fan von Südeuropa. Italien und Zypern gefallen mir sehr gut. Aber Stockholm ist auch eine sehr schöne Stadt. Ich wohne außerhalb, auf einer Schären-Insel mit Blick auf das Meer. Dort ist es sehr ruhig. Das genieße ich sehr, da ich ja beruflich immer mit vielen Menschen zu tun habe.Es gibt riesige Wälder, in denen man stundenlang spazieren gehen und entspannen kann.

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Kontakt

Prof. Dr. Andrea Ammon
Head of the Department “Surveillance” in the European Centre for Disease Control and Prevention (ECDC)



Lebenslauf

Die habilitierte Medizinerin ist Leiterin der Abteilung „Surveillance“ am 2005 gegründeten European Centre for Disease Control and Prevention in Stockholm. Aufgabe ihrer Abteilung ist, eine Standardisierung der Datenerfassung zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten in der ganzen Europäischen Union durchzuführen. Bis 2011 will sie mit ihren Mitarbeitern eine Datenbank aufgebaut haben, mit der die Daten zu Infektionskrankheiten erfasst werden können. Mit diesen Informationen können dann die Mitgliedsstaaten schnell und effizient die erforderlichen Maßnahmen einleiten.