Fragen und AntwortenProf. Dr. Petter Brandtzaeg

Wie sind Sie zur Infektionsforschung gekommen? Was fasziniert Sie an dem Fachgebiet?
In meiner klinischen Ausbildung bekam ich es mit zuvor gesunden Kindern und Erwachsenen zu tun, bei denen sich eine akute Meningokokken-Sepsis entwickelte. Viele von ihnen starben kurz nach der Klinikeinweisung. In Norwegen wütete fast 20 Jahre lang eine schwere Epidemie mit Meningokokken der Serogruppe B. Einen wirksamen Impfstoff hatten wir nicht. Meine Forschungsarbeiten begannen 1985. Damals sammelten wir Blutplasmaproben von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen klinischen Ausprägungsformen einer Meningokokkenerkrankung. Über die pathophysiologischen Hintergründe der Infektion wusste man zu jener Zeit nur wenig, es gab aber viele spekulative Hypothesen. Eines wurde uns sehr bald klar: Bei Patienten, die wir nicht vor dem septischen Schock und Multiorganversagen retten konnten, war die Konzentration des Endotoxins besonders hoch. Wenige Jahre später konnte unsere Arbeitsgruppe belegen, dass zwischen der Lipopolysaccharid- (LPS-)Konzentration im Plasma, dem klinischen Bild und der Sterblichkeit bei Meningokokkeninfektionen eine Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht. Das war eine faszinierende Beobachtung. Wir konnten einen LPS-Plasmaspiegel definieren, der sich mit einer Sterblichkeit von 100 Prozent verbindet. So etwas war bei Menschen bis dahin noch nie nachgewiesen worden. Dieser eindeutige Zusammenhang sowie die vielfältigen Wirkungen von LPS und Botenstoffen faszinieren mich bis heute.
Woran arbeiten Sie zur Zeit?
Derzeit klären wir die Wirkungen des Meningokokken-LPS im Vergleich zu anderen Molekülen in der Außenmembran der Meningokokken. Zu diesem Zweck kann man die Wirkungen des Wildtyps von Neisseria meningitidis mit denen einer Mutante vergleichen, der das LPS völlig fehlt. Als Readout-Systeme benutzen wir normale menschliche Monozyten, an denen wir die intrazelluläre Signalübertragung und Umprogrammierung untersuchen können, sowie ein Schockmodell mit Schweinen zur Untersuchung der Entzündungsreaktionen auf der Ebene ganzer Organe.
Welche Wendepunkte in der Wissenschaft, ihrer Berufslaufbahn und Ihrem Leben haben Ihre Entscheidungen beeinflusst?
Nach einer langen klinischen Ausbildung trieb mich die Neugier dazu, eine Wissenschaftlerlaufbahn anzutreten. Ärzte wussten kaum etwas über naturwissenschaftliche Methoden. Ich hatte das Glück, dass ich zur richtigen Zeit den richtigen Menschen kennen lernte. Er wurde zu meinem Lehrer und zu einem guten Freund. Ich war bereits 41 und musste mich in die naturwissenschaftliche Methodik einarbeiten. Bei der Analyse des Patientenmaterials stieß ich auf einen Bereich der Pathophysiologie, mit dem sich bis dahin noch niemand beschäftigt hatte. Diese ersten Monate waren für meine weitere Laufbahn entscheidend.
Welches war Ihre wichtigste wissenschaftliche Entdeckung?
Das war die Entdeckung, dass zwischen der Zahl der Meningokokken, dem LPS-Spiegel und den Entzündungsmediatoren eine Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht, die über die Folgen beim Patienten entscheidet.
Was treibt Sie an? Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?
Meine Triebkraft ist nach wie vor die Neugier. Der Lohn ist die Möglichkeit, die bei den Patienten beobachteten Phänomene zu erklären.
Was hat Sie, Ihr Leben und damit auch die Wissenschaft beeinflusst und beeindruckt?
Bevor ich die Oberschule abschloss, musste ich im Rahmen des Deutschunterrichts - der Pflichtfach war - etwas über die ersten Mikrobenjäger lesen. Das faszinierte mich und hat wahrscheinlich auch meine späteren Entscheidungen beeinflusst.
Ihre Idole?
Eigentlich keine.
Welchen Rat geben Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern?
Suche dir den richtigen Lehrer und die richtige Arbeitsgruppe. Sei dir sicher, dass du motiviert bist und durchhalten kannst, auch wenn sich nicht sofort gute Ergebnisse einstellen.
Was wäre für Sie die Alternative oder der Plan B gewesen, wenn es mit der Wissenschaft oder Ihrer Stelle nicht geklappt hätte?
Einen Plan B hatte ich nicht. Ich wollte unbedingt Arzt werden.
Wie sehen Ihre Träume für die Zukunft aus?
Ich habe mit meiner Frau und meinen Kindern ein schönes Leben. Eines Tages werde ich hoffentlich junge Ärzte beraten können, die sich in der Erforschung der Translation engagieren wollen.
Welche Arbeiten halten Sie in Zukunft für wichtig?
In der klinischen Medizin werden dringend Ärzte gebraucht, die willens und in der Lage sind, die Krankheitsmechanismen an den Patientinnen und Patienten genauer zu untersuchen. In der biologischen Grundlagenforschung geht es schnell voran. Die klinische Medizin hinkt hinterher. Die Kommunikation zwischen klinischer Medizin und Forschung ist ungenügend. In der Medizin sollte man schneller bereit sein, neu entwickelte wissenschaftliche Methoden anzuwenden. Auf der anderen Seite benutzen die Wissenschaftler in der Grundlagenforschung häufig Krankheitsmodelle, mit denen sie zu falschen Antworten gelangen. So war es zum Beispiel bei der Erforschung der Sepsis.
Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich lese viel, ich gehe gern ins Kino und sehe mir britische oder französische Filme an, und ich besuche Konzerte mit klassischer Musik. Außerdem ist Tiefschnee-Skilaufen ein Teil des norwegischen Outdoor-Lebens.
Kontakt
Prof. Dr. Petter Brandtzaeg
Professor in Pediatrics, Uni of Oslo; Head of Infectious Disease Unit, Ullevål Hospital, Norway
++ 47 22 11 87 65
++ 47 22 11 86 63
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Lebenslauf
Although being a Norwegian I studied medicine at the University of Groningen in the Netherlands. Thereafter I specialised in pediatrics and later in adult infectious diseases at Ulleval University Hospital in Oslo. Since 1985 I have studied the pathophysiology of meningococcal diseases with particular emphasis on the role of Neisseria meningitidis endotoxin (LPS). In 1996 I was appointed professor in Pediatrics at University of Oslo and head of the Infectious Disease Unit, Department of Pediatrics at Ullevål Hospital. I was elected President of the International Endotoxin and Innate Immunity Society from 2006 to 2008.

