Fragen und AntwortenProf. Dr. Siamon Gordon

Wie sind Sie zur Infektionsforschung gekommen? Was fasziniert Sie an dem Fachgebiet?
Als ich in Kapstadt Medizin studierte, beeinflusste mich ein Pathologiekurs bei der Dozentin Golda Selzer. Sie gehörte zu den wenigen, die sich mit dem Polioimpfstoff beschäftigten, und sorgte später auch dafür, dass ich im Labor von Porter (Wright-Fleming Institute, St. Mary's, London) bei Sidney Cohen meine Forscherlaufbahn beginnen konnte. Dort und an der Rockefeller University arbeitete ich an der Struktur von Antikörpern. Nach einem Postdocjahr bei dem Humangenetiker Alexander G. Bearn, bei dem ich mich mit Haptoglobin beschäftigte, machte ich bei Zanvil Cohn meinen PhD mit Arbeiten über die Zellbiologie der Makrophagen. Der Rest ist (persönliche) Geschichte.
Woran arbeiten Sie zur Zeit?
Wie immer an verschiedenen Aspekten der Immunbiologie von Makrophagen, insbesondere an Mausmodellen, die für Erkrankungen des Menschen von Interesse sind. Das Schwergewicht liegt auf den opsonischen Rezeptoren (scavenger SR-A, Marco), den Lectinen (Dectin-1) und Zelloberflächen-Regulationsmolekülen (EGF-TM7, CD200, Dap-12). Diese treten in berechenbare Wechselbeziehungen mit Liganden (Apolipoproteinen) des Wirts, die an Endocytose, Phagocytose, Infektionen (Neisseria, Dengue, Candida) und nichtinfektiösen Prozessen mitwirken sowie einige weniger nahe liegende Funktionen erfüllen (insbesondere der Mannoserezeptor beteiligt sich an Antigen-Targeting, alternativer Makrophagenaktivierung und der Entstehung tumorassoziierter Makrophagen). Eine besondere Laune (und eine alte Liebe seit einem Studentenprojekt vor 40 Jahren) sind die Mechanismen und möglichen Funktionen der Makrophagen-Zellfusion bei Granulomen und der Bildung von Osteoklasten.
Welche Wendepunkte in der Wissenschaft, ihrer Berufslaufbahn und Ihrem Leben haben Ihre Entscheidungen beeinflusst?
Im Labor von Cohn (aber auch bei James Hirsch und René Dubos, einem wissenschaftlichen Nachkömmling von Pasteur) erwachte meine Vorliebe für Makrophagen (und ein gewisses soziales und historisches Interesse an der Tuberkulose). Großen Einfluss hatte auch Henry Harris mit den dramatischen Experimenten, die er in Oxford mit dem Sendaivirus machte - das wissenschaftliche Hilfsmittel der künstlich herbeigeführten Zellfusion wurde zum Thema meiner Doktorarbeit und verschaffte mir eine Stelle an der Dunn School of Pathology, wo ich von 1976 bis zu meiner offiziellen Pensionierung 2008 gearbeitet habe.
Was war der wichtigste Augenblick Ihrer Karriere?
Mit meinen Versuchen, Heterokyons und Zellhybride (Genetik somatischer Zellen, Zelldifferenzierung) zu untersuchen und dabei Makrophagen als Hilfsmittel einzusetzen, stieß ich an die technischen Grenzen der Einzelzellanalyse. Deshalb traf ich um 1970 ganz bewusst die Entscheidung, primäre Makrophagen um ihrer selbst willen zu studieren. Dies führte zur Untersuchung der Lysozymsekretion, einer Funktion dieser professionellen Fresszellen, der man bis dahin keine Beachtung geschenkt hatte.
Welches war Ihre wichtigste wissenschaftliche Entdeckung?
Die Aktivierung der Makrophagen (einschließlich des alternativen Signalweges, an dem das Cytokin Th2 beteiligt ist, nach der Sekretion von Lysozym und Plasminogenaktivator. Die Anwendung der Hybridomtechnik auf die Differenzierungsantigene der Makrophagen (angesichts meines Werdeganges eine natürliche Entwicklung). Dies führte zu F4/80 und zur Definition des Systems mononukleärer Phagozyten im gesamten Organismus, zur Aufklärung ihrer Rolle bei Entwicklung und Krankheitsentstehung, und zur Produktion neuer, funktionsfähiger monoklonaler Antikörper für die Untersuchung der Zelladhäsion (CR3, SR-A), neuer Rezeptoren (Sialoadhesin, Dectin-1, Mannoserezeotor) und der Fusionsmodulatoren. Natürlich habe ich auch einige noch wichtigere Moleküle verpasst, nämlich TNF und TLR!
Was treibt Sie an? Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?
Die Neugier, mir auszumalen, wie die Natur funktioniert. Gespräche über Makrophagen.
Was hat Sie, Ihr Leben und damit auch die Wissenschaft beeinflusst und beeindruckt?
Das Wissen über frühere Entdeckungen und Institutionen mit langer Tradition in der experimentellen Arbeit (Rockefeller University, Dunn School), die eine Atmosphäre von Freiheit, Wagemut und Zuversicht verbreiten. Der Antrieb, neue, wichtige Dinge zu entdecken.
Ihre Idole?
Gegenüber meinen zuvor erwähnten Lehrern empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit, aber ich schwimme gern gegen den Strom. Deshalb weiß ich meine Lehrer zwar zu schätzen, ich mache sie aber nicht zu Idolen.
Welchen Rat geben Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern?
Entwickle dich langsam, habe keine Eile und folge nicht der großen Masse. Finde Themen von umfassendem biologischem Interesse, insbesondere an den Schnittstellen zwischen eng begrenzten Fachgebieten.
Was wäre für Sie die Alternative oder der Plan B gewesen, wenn es mit der Wissenschaft oder Ihrer Stelle nicht geklappt hätte?
Wenn ich in einer weniger provinziellen Gesellschaft (dem jüdischen Südafrika) aufgewachsen wäre, wäre ich nicht Arzt und später Naturwissenschaftler geworden (was ich nie bereut habe), sondern ich hätte Geisteswissenschaften (Sozialwissenschaft, Geschichte) studiert und auf diesen Gebieten geforscht.
Wie sehen Ihre Träume für die Zukunft aus?
Die Kenntnisse über meine Lieblingszellen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
Welche Arbeiten halten Sie in Zukunft für wichtig?
Die Trophiefunktionen der Makrophagen (bei der Blutbildung oder im Gehirn) wurden bisher zu wenig beachtet, und auch ihre Differenzierung im Mikromilieu des erkrankten Gewebes ist bisher überhaupt nicht geklärt.
Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Über Makrophagen nachdenken. Ich lese aber auch sehr vieles und höre gern Musik aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, insbesondere Schubert.
Kontakt
Prof. Dr. Siamon Gordon
Professor of Cellular Pathology, University of Oxford, UK
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Lebenslauf
Seit 2008: emeritierter Professor, University of Oxford.
1991–2008: Glaxo Wellcome Professor of Cellular Pathology, Sir William Dunn School of Pathology, University of Oxford.
Seit 1989: Professor in Cellular Pathology (ad hominem), Sir William Dunn School of Pathology, University of Oxford.
1976–1989: Dozent für Experimentelle Pathologie, Sir William Dunn School of Pathology, University of Oxford.
1971–1976: Assistant Professor und Associate Physician, Dept. of Cellular Physiology & Immunology, The Rockefeller University.

