Fragen und AntwortenProf. Dr. Jörg Hacker

Wie sind Sie zur Infektionsforschung gekommen? Was fasziniert Sie an dem Fachgebiet?
Ich habe in Halle Biologie studiert und war in den Siebzigerjahren fasziniert von den neuen Methoden der Molekularbiologie. Ein Thema war die Untersuchung pathogener Mikroorganismen mithilfe der klassischen Mikrobengenetik wie auch der Gentechnik. Die gleichen Dinge faszinieren mich auch heute noch.
Woran arbeiten Sie zur Zeit?
Derzeit interessiere ich mich besonders für den Grenzbereich zwischen pathogenen und kommensalen Mikroorganismen. Wie sich herausgestellt hat, gibt es eine "Grauzone", und man muss sehr sorgfältig zwischen nützlichen und pathogenen Mikroorganismen unterscheiden. Das ist ein fesselndes Thema.
Welche Wendepunkte in der Wissenschaft, ihrer Berufslaufbahn und Ihrem Leben haben Ihre Entscheidungen beeinflusst?
In der Wissenschaft waren nach meiner Überzeugung sowohl die neuen Methoden der Molekularbiologie, als auch die DNA-Sequenzierung und die Genomanalyse von großer Bedeutung. Für mich war es wichtig, als Student an einem sehr guten Institut zu arbeiten, dem Institut für experimentelle Epidemiologie in Wernigerode. Stark beeinflusst wurde ich auch durch meine Begegnung mit Werner Goebel, der Anfang der Achtzigerjahre mein Vorgesetzter war.
Was war der wichtigste Augenblick Ihrer Karriere?
Einer der wichtigsten Augenblicke meiner Laufbahn war in Würzburg unsere Entscheidung, einen bestimmten Erregerstamm, der Harnwegsinfektionen verursacht, unter verschiedenen Gesichtspunkten zu untersuchen. Die Entscheidung wurde von Werner Goebel und seiner Arbeitsgruppe getroffen, der ich zu jener Zeit angehörte.
Welches war Ihre wichtigste wissenschaftliche Entdeckung?
In unserer Würzburger Arbeitsgruppe interessierten wir uns für die molekulargenetischen Grundlagen der Krankheitsentstehung und für die Variabilität der Mikroorganismengenome. Dazu gehörte auch die Aufnahme und das Ausschneiden pathogener Nukleinsäureabschnitte. Dies war ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit.
Was treibt Sie an? Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?
Ich denke, als Wissenschaftler muss man sich für das Thema interessieren, an dem man arbeitet. Ich untersuche gern pathogene Mikroorganismen, weil sie so interessante, raffinierte Überlebensstrategien entwickeln, und weil wir uns mit ihnen auseinander setzen müssen.
Was hat Sie, Ihr Leben und damit auch die Wissenschaft beeinflusst und beeindruckt?
Ich war immer beeindruckt von Wissenschaftlern, die hart gearbeitet und dann wichtige Entdeckungen gemacht haben, wie Charles Darwin oder Max Delbrück. Auch Werner Goebel und seine Würzburger Gruppe haben mich stark beeinflusst.
Ihre Idole?
Die beiden Wissenschaftler habe ich schon erwähnt. Außerdem lese ich gern die Bücher von Uwe Johnson, einem faszinierenden deutschen Schriftsteller.
Welchen Rat geben Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern?
Man sollte sich ein gutes Thema suchen. Außerdem ist es wichtig, in einem hochqualifizierten Wissenschaftlerteam und in einem kreativen Umfeld zu arbeiten. Für junge Wissenschaftler ist es immer gut, auch im Ausland zu arbeiten. Ebenso sollte man aber in Betracht ziehen, dass es gut sein kann, nach Deutschland zurückzukehren.
Was wäre für Sie die Alternative oder der Plan B gewesen, wenn es mit der Wissenschaft oder Ihrer Stelle nicht geklappt hätte?
Als Schüler habe ich mich immer für Philosophie und Theologie interessiert (und tue es auch heute noch). Deshalb habe ich überlegt, ob ich Theologie studieren und protestantischer Geistlicher werden sollte.
Wie sehen Ihre Träume für die Zukunft aus?
Ich träume davon, Impfstoffe gegen die wichtigsten Krankheitserreger zu entwickeln: gegen HIV, Malaria und Krankenhauskeime.
Welche Arbeiten halten Sie in Zukunft für wichtig?
Die bereits erwähnte Impfstoffentwicklung halte ich für sehr wichtig. Auch die Wechselbeziehungen zwischen Krankheitserreger und Wirt und die Frage nach der Anfälligkeit der Wirte werden in Zukunft von großer Bedeutung sein.
Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Wenn ich nicht arbeite, führe ich gern gute Gespräche mit meiner Familie oder mit Freunden. Außerdem lese ich gern gute Bücher.
Kontakt
Prof. Dr. Jörg Hacker
President of the Robert Koch Institute, Berlin, Germany
0049 (0)30-18754-2001
0049 (0)30-18754-2610
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Lebenslauf
Seit 2008: Präsident des Robert-Koch-Instituts, Berlin
2006: Gastprofessor am Sackler Institute for Advanced Studies, Tel Aviv University, Israel
2000, 2005: Sechsmonatife Forschungsaufenthalte am Institut Pasteur, Paris
1993-2008: C4-Professor und Leiter des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie, Würzburg
1988: C3-Professor für Mikrobiologie an der Universität Würzburg
1986: Habilitation an der Universität Würzburg
1980-1988: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mikrobiologie, Würzburg
1979: Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Halle/Saale
1970-1974: Biologiestudium an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale

