Fragen und AntwortenProf. Dr. Dr. hc Emeritus Hermann Wagner

Wie sind Sie zur Infektionsforschung gekommen? Was fasziniert Sie an dem Fachgebiet?
Krankheitserreger müssen die komplexen Abwehrmechanismen des angeborenen und erworbenen Immunsystems überwinden. Mich faszinierte die Aussicht, mit immer weiter verbesserten Impfverfahren die Immunität gegen Krankheitserreger zu stärken. Um dieses Ziel zu erreichen, muss ich zuerst einmal wissen, welchen Regeln die Immunität gegen Infektionen unterliegt.
Woran arbeiten Sie zur Zeit?
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht derzeit die Immunbiologie der Toll-like-Rezeptoren. Insbesondere habe ich eine langjährige Liebesbeziehung zu TLR9.
Welche Wendepunkte in der Wissenschaft, ihrer Berufslaufbahn und Ihrem Leben haben Ihre Entscheidungen beeinflusst?
Das Verdienst, mein Interesse auf Infektionen und Immunität gelenkt zu haben, gebührt Professor Paul Klein, dem früheren Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Gutenberg-Universität Mainz. Bei Sir Gus Nossal (Walter and Eliza Hall Institute, Melbourne, Australien) lernte ich als DFG-finanzierter Postdoc, wie man Wissenschaft betreibt. Aber meine Entscheidung, in der Wissenschaft zu bleiben, wurzelt letztlich in einer tiefen Überzeugung: Die Geheimnisse der natürlichen Immunität zu lüften, ist ebenso spannend, als wenn jemand eine unbekannte Sonate von Franz Schubert entdecken würde.
Was war der wichtigste Augenblick Ihrer Karriere?
Der Augenblick, in dem ein promovierter Student selbstständig Konzepte entwickelt und seinen eigenen Weg geht.
Welches war Ihre wichtigste wissenschaftliche Entdeckung?
Das war die Entdeckung, welche physiologische Bedeutung Toll-like-Rezeptoren und andere Mustererkennungsrezeptoren für die Infektionsforschung und Immunologie haben.
Was treibt Sie an? Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?
Ich habe das Glück, dass ich von einer Gruppe scharfsinniger, hoch motivierter Wissenschaftlerkollegen umgeben bin. Eine wissenschaftliche Argumentation so gut zu begründen, dass sie ihren intellektuellen Angriffen standhält, ist höchst motivierend.
Was hat Sie, Ihr Leben und damit auch die Wissenschaft beeinflusst und beeindruckt?
Der Geist der Förderung, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgeht.
Welchen Rat geben Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern?
Wähle ein Fachgebiet, das deinen Interessen entspricht. Dann suche ein angesehenes, hervorragendes Labor oder Institut und lerne dort die Geheimnisse der wissenschaftlichen Arbeit. So bald du dich stark genug fühlst, lass' die Grenzen deines Untersuchungsgebietes hinter dir und dringe auf unbekanntes neues Terrain vor.
Was wäre für Sie die Alternative oder der Plan B gewesen, wenn es mit der Wissenschaft oder Ihrer Stelle nicht geklappt hätte?
Klavier spielen, aber nur zu Hause.
Wie sehen Ihre Träume für die Zukunft aus?
Dass meine Fakultät einen guten Nachfolger aussucht, wenn ich in Pension gehe.
Welche Arbeiten halten Sie in Zukunft für wichtig?
Die Abwehrkräfte durch Impfungen zu stärken.
Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Wenn ich Zeit habe, versuche ich, meinen Steinway herauszufordern.
Kontakt
Prof. Dr. Dr. hc Emeritus Hermann Wagner
Former Head, Institut für medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, TU München, Germany
0049 (0)89 4140-4120
0049 (0)89 4140-4868
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Lebenslauf
Ich wurde 1941 in Freudenstadt (Baden-Württemberg) geboren. Nach dem Abitur studierte ich Medizin in Tübingen und Hamburg (1961-1967).
Durch reinen Zufall kam ich zu Paul Klein (Universität Mainz), wo ich am Komplementsystem arbeitete. Als die Zahl der Kollegen in Mainz größer wurde als die der Komplementbestandteile, unterstützte mich die Deutsche Forschungsgemeinschaft bei der Suche nach einer neuen wissenschaftlichen Heimat für die Untersuchung der zellulären Immunität. Nun arbeitete ich bei Sir Gus Nossal am Walter and Eliza Hall Institute (WEHI) in Melbourne (Australien). Am WEHI (1969-1973) waren wir vermutlich die Ersten, die Killer-T-Zellen in vitro züchteten. Bei meiner Rückkehr nach Mainz (1973) trat M. Röllinghoff in das Labor ein, das so erfolgreich die T-Zell-vermittelte Immunität untersuchte.
Im Jahr 1983 nahm ich ein Angebot der Universität Ulm an und gründete zusammen mit D. Kabelitz (heute Kiel), Stefan Kaufmann (heute Berlin) und Bernhard Fleischer (heute Hamburg) das neue Institut "Medizinische Mikrobiologie und Immunologie" sowie den Sonderforschungsbereich (SFB) "Lympho-Hämopoese".
Von Ulm ging ich 1989 zusammen mit M. Krönke (heute Köln) und K. Heeg (heute Heidelberg) an die Technische Universität München. Dort arbeitete ich zusammen mit G. Lipford (heute USA), Hans Häcker (heute USA), Klaus Pfeffer (heute Düsseldorf) und Stefan Bauer (heute Marburg) an der Immunbiologie der Nukleinsäuren, die Toll-like-Rezeptoren (TLRs) erkennen. Unsere Arbeiten wurden unterstützt durch die Sonderforschungsbereiche 391, 456 und 576.

