Infektionskrankheiten

Infektionskrankheiten stellen eine massive Bedrohung für Afrikas Zukunft dar. © Andreas Lengeling
Infektionskrankheiten werden durch pathogene Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze verursacht. Die Erkrankungen können direkt oder indirekt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Zoonosen sind Infektionskrankheiten der Tiere, an denen – nach einer Übertragung – auch Menschen erkranken können. (WHO-Definition)
Unter der immensen Zahl an Mikroorganismen auf der Erde sind es nur vergleichsweise wenige Mikroben, die Menschen und Tiere krank machen. Und dennoch: laut der Weltgesundheitsorganisation WHO rangieren Infektions- und Parasitenerkrankungen auf Platz zwei der Liste der weltweit häufigsten Todesursachen1. In Ländern mit geringem Einkommen, vornehmlich in Afrika, sind sie sogar Todesursache Nummer eins. Anders die Situation in den entwickelten Ländern: hier ist die Zahl der Bakterien-, Viren- und Parasiten-Erkrankungen vor allem dank verbesserter Hygiene- und Sanitärmaßnahmen und der Entwicklung von Impfstoffen und Antibiotika seit dem letzten Jahrhundert deutlich zurückgegangen.
90 Prozent aller Todesfälle, die mit Infektionskrankheiten in Zusammenhang stehen, gehen auf nur sechs Erkrankungen zurück: HIV/Aids, Malaria, Durchfall, Masern, Lungenentzündung und Tuberkulose. Das größte Leid tragen dabei Kinder und junge Erwachsene: So töten Durchfallerkrankungen wie Cholera, Ruhr oder Typhus Jahr für Jahr etwa zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren2. Noch schlimmer stellt sich die Situation im Zusammenhang mit Lungenentzündungen dar: an dieser häufig tödlich verlaufenden akuten Atemwegsinfektion (engl: acute respiratory disease: ARI) sterben mehr Kinder als durch jede andere Infektionskrankheit2. Und auch die Malaria ist eine der Haupttodesursachen bei Kindern: In Entwicklungsländern ist sie für zehn Prozent aller Todesfälle im Kindesalter verantwortlich3.
Und selbst wenn sie nicht tödlich verlaufen prägen Infektionskrankheiten das Schicksal vieler Menschen: Millionen tragen jedes Jahr körperliche und geistige Behinderungen nach einer Infektionskrankheit davon. Masern zum Beispiel können zu Erblindung, Taubheit und Hirnschäden führen. Die lymphatische Filariasis (auch „Elephantiasis“ genannt), die auf einen parasitischen Befall mit Fadenwürmern zurückgeht, beeinträchtigt weltweit ungefähr 120 Millionen Menschen. Etwa 40 Millionen Menschen sind infolge der Erkrankung behindert und körperlich entstellt4.
Doch die Schäden und negativen Folgen von Infektionskrankheiten gehen über die hohen Todeszahlen und die individuellen Schicksale der Betroffenen hinaus. Häufig sind die Krankheiten der Grund dafür, dass Kinder nicht zur Schule und Erwachsene nicht zur Arbeit gehen können. Die Behandlungskosten sind für viele Patienten schlicht unerschwinglich. Familien, die ohnehin schon arm sind, werden in den Ruin getrieben. Die aus dem Verlust der Arbeitskraft und der Einschränkung der Bildungsmöglichkeiten resultierenden wirtschaftlichen Einbußen machen sich letztlich auch in den Staatskassen bemerkbar: Für viele Länder der Welt sind Infektionskrankheiten für Armut und Unterentwicklung mit verantwortlich.
Experten schätzen, dass allein die Malaria das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Afrika um 1,3 Prozentpunkte pro Jahr verringert5. Auch die HIV/Aids-Epidemie hat verheerende Folgen auf die soziale und wirtschaftliche Situation des Kontinents. Durch die hohen Infektionsraten im südlichen Afrika ist die durchschnittliche Lebenserwartung von 62 Jahren (1990 bis 1995) auf 48 Jahre (2000-2005) zurückgegangen6. Damit verbunden sind nicht nur menschliche Tragödien, sondern auch der Verlust einer immensen Zahl an wirtschaftlich produktiven Individuen. Das wiederum wirkt sich auf Wachstumraten, Gesundheitsversorgung, Bildung und die politische Stabilität der betroffenen Länder aus6.
Die wachsende Sorge um die verheerenden Auswirkungen der Infektionskrankheiten schlägt sich unter anderem in der Milleniums-Erklärung der Vereinten Nationen nieder, die im Jahr 2000 von den Regierungsoberhäuptern der Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde. Das Millenium-Entwicklungsziel7 Nummer 6 zum Beispiel ist eine klare Kampfansage gegen HIV/Aids, Malaria, und andere Infektions-Krankheiten. Bis zum Jahr 2015 soll demnach die Ausbreitung von HIV/Aids und die Häufigkeit von Malaria und anderen Erkrankungen gestoppt und zur Umkehr gebracht werden. Bis 2010 sollen alle Menschen auf der Welt einen Zugang zur HIV /Aids-Behandlung bekommen. Andere Milleniumsziele hängen indirekt mit Infektionskrankheiten zusammen, etwa die Bestrebungen, extreme Armut und Hunger auszumerzen, die Kindersterblichkeit zu verringern und die Gesundheit von Müttern zu verbessern.
Auf den folgenden Seiten finden Sie eine kurze Beschreibung der wichtigsten Infektionskrankheiten. Wichtig deshalb, weil sie – weltweit – eine große Zahl von Menschen betreffen, für eine beträchtliche Zahl von Toten verantwortlich sind und einen bedeutenden Einfluss auf die Wirtschaft der betroffenen Länder haben. Allen Krankheiten gemein ist die Tatsache, dass sie grundsätzlich effektiv bekämpft werden können. Einige könnten mit einer angemessenen und zielgerichteten Strategie, starker Willenskraft und natürlich ausreichend finanziellen Mitteln sogar ausgerottet werden.
Literatur:
1. WHO, „The global burden of disease“: 2004 update ttp://www.who.int/h
2. WHO- Report zu Infektionskrankheiten: www.who.int/infectious-disease-report/index-rpt99.htmlealthinfo/global_burden_disease/2004_report_update/en/index.html
3. Fakten zur Malaria, Centers for Disease Control and Prevention (CDC): www.cdc.gov/malaria/
4. WHO „Fact sheet Nr. 102“, Lymphatic filariasis: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs102/en/
5. Malaria Foundation International. „The Abuja Declaration on Roll back Malaria in Africa by the African heads of State and Government“. April 25, 2000
6. Baylor College of Medicine: www.bcm.edu/molvir/eidbt/eidbt-mvm-id.htm
7. UN, Milleniums-Entwicklungsziele: www.un.org/millenniumgoals/bkgd.shtml

