Cholera

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Vibrio cholerae Bakterien © Ronald Taylor, Tom Kirn, Louisa Howard

Cholera in Kürze

  • Cholera ist eine akute, sehr virulente Durchfallinfektion, verursacht durch das Bakterium Vibrio cholerae
  • etwa 75 Prozent der Infizierten zeigen keine Symptome
  • die Mehrheit der Betroffenen erkrankt nur leicht an der Cholera, bei 10 bis 20 Prozent verläuft die Erkrankung jedoch schwer
  • ohne angemessene Behandlung kann der rasche Verlust großer Mengen Körperflüssigkeit  innerhalb von Stunden zum Tod führen
  • der vorhandene Impfstoff wird bislang nicht routinemäßig für große Impfkampagnen verwendet

 

Cholera im Einzelnen

Der Erreger    
Vibrio cholerae ist ein gram-negatives, kommaförmiges Bakterium, das zur Gruppe der Proteobakterien gehört. Sein Reservoir bilden, abgesehen vom Menschen, Brackwasserzonen und Flußmündungen. Zwei Serogruppen sind für Epidemien beim Menschen verantwortlich: O1 and O139, wobei der erstgenannte die meisten Ausbrüche verursacht. O139 ist derzeit nur in Südost- und Ost- Asien nachweisbar. Andere Serogruppen verursachen nur leichte Erkrankungen und keine Epidemien.  

Übertragung/ Pathogenese
Das Bakterium wird vor allem durch verunreinigtes Wasser und durch Lebensmittel übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten. Allerdings scheiden infizierte Personen den Erreger mit ihrem Stuhl aus – unabhängig davon, ob sie Krankheitszeichen zeigen oder nicht.  Das erklärt, warum V. cholerae sich schnell in menschlichen Siedlungen ausbreitet, in denen es keine adäquate Abwasserentsorgung , bzw. Trinkwasserversorgung, gibt. Besonders in Slums und überfüllten Flüchtlingslagern kommt es immer wieder zu Ausbrüchen.

Nach der Aufnahme besiedelt V. cholera den Magen-Darm-Trakt. Es heftet sich an die Darmzotten und setzt das Cholera-Enterotoxin frei. Dieses Bakteriengift führt zu einer Aktivierung des Enzyms Adenylatzyklase und damit zu einer Störung des Elektrolytstoffwechsels. Dies wiederum ruft den massiven Durchfall hervor.  

Symptome
Die Inkubationszeit ist bei V. cholerae-Infektionen extrem kurz, manchmal dauert sie nur wenige Stunden. Bauchschmerzen, wässriger Durchfall und Erbrechen sind typische Zeichen einer Cholera-Infektion. Der schnelle Flüssigkeitsverlust führt zu Beinkrämpfen, starker Dehydrierung, Nierenversagen und Schock. Ohne Behandlung kann die Infektion innerhalb von Stunden zum Tode führen.

Nicht jede infizierte Person entwickelt Symptome. Bis zu 80 Prozent zeigen keinerlei Krankheitszeichen, können den Erreger jedoch ausscheiden. Von den Erkrankten entwickeln ungefähr 20 Prozent schwere Symptome. Ohne Behandlung kann die Cholera bei wiederum 50 Prozent dieser Patienten tödlich verlaufen. Mit einer Behandlung sinkt die Todesrate auf unter ein Prozent.

Behandlung
Der wichtigste Bestandteil der Therapie ist der Ersatz der verlorenen Körperflüssigkeit und -salze. Die Patienten bekommen eine Elektrolytlösung zum Trinken. In schweren Fällen kann auch eine intravenöse Flüssigkeitsgabe notwendig sein. Um die Dauer des Durchfalls und die Ausscheidung des Erregers zu verkürzen, können zusätzlich Antibiotika verabreicht werden.
 
Prävention
Um der Cholera wirksam vorzubeugen, ist vor allem eine funktionierende Abwasser- und Trinkwasser-Infrastruktur wichtig: das Abwasser muss entsorgt und das Trinkwasser ausreichend aufbereitet werden. In vielen Entwicklungsländern jedoch haben die Menschen noch immer keinen Zugang zu sauberem Wasser. Auch eine adäquate Gesundheitserziehung ist wichtig: Maßnahmen wie Händewaschen und ein hygienischer Umgang mit Lebensmitteln können die Infektionsraten drastisch senken.

Impfung
Es wurden verschiedene orale Cholera-Impfstoffe (oral cholera vaccines, OCV) entwickelt. Einer dieser Impfstoffe (Dukoral®) hat sich als sicher und wirksam erwiesen und verfügt über eine weltweite Lizenz. Derzeit kommt er vor allem in der Reisemedizin und an besonderen Notfallschauplätzen zum Einsatz. Die WHO prüft derzeit eine mögliche Anwendung für Cholera-Endemie-Gebiete. Der Impfstoff muss zweimalig – im Abstand einer Woche – eingenommen werden und braucht einige Zeit um seine volle Schutzwirkung zu entfalten. Da Medikament und Verteilung zudem teuer sind, gibt es derzeit bei Cholera-Ausbrüchen keine reguläre Impfempfehlung.

Inzidenz
Immer wieder gab es in der Geschichte Cholera-Ausbrüche, die den Menschen überall auf der Welt schwer zugesetzt haben. Endemisch findet sich der Erreger im indischen Ganges-Delta, wo die Cholera seit der Antike bekannt ist. Ausgehend vom Subkontinent hat sich V. cholerae im 19ten und 20sten Jahrhundert während sechs Pandemien auf andere Kontinenten ausgebreitet und Millionen Menschen in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika das Leben gekostet. Die siebte Pandemie hält bis heute an und Experten sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass sie in naher Zukunft zu Ende geht. Nach Angaben der WHO begann sie 1961 in Südasien, erreichte 1971 Afrika und 1991 Amerika.

Heute tritt die Erkrankung in verschiedenen Ländern, insbesondere in Entwicklungsländern, endemisch auf. Von 2005 an kam es gar zu einem Wiederanstieg der Cholerafälle. Im Vergleich zu 2005 nahm die Zahl der Cholerafälle im Jahr 2006 um 79 Prozent zu: es wurden damals 236 896 Fälle und 6311 Todesfälle aus 52 Ländern gemeldet. Im Jahr 2007 nahm die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent ab. Weltweit wurden der WHO in diesem Jahr 177 963 Cholera-Fälle und 4031 Tote gemeldet. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Fallzahl um ein Vielfaches höher liegt, da vermutlich nur weniger als 10 Prozent der Fälle bei der WHO gemeldet werden.


Mehr Informationen
- WHO: www.who.int/topics/cholera/en/
- The Global Task Force on Cholera Control: www.who.int/cholera/en/index.html
- The Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/nczved/dfbmd/disease_listing/cholera_gi.html

Literatur
 WHO-Merkblatt zur Cholera: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs107/en/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/nczved/dfbmd/disease_listing/cholera_gi.html
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_100/nn_504462/DE/Content/InfAZ/C/Cholera/Cholera__node.html
- University of Florida, Medical Microbiology and Infectious Disease: ttp://www.snaption.net/med/cholerae.htm
- WHO, Cholera-Jahres-Report 2007: www.who.int/wer/2008/wer8331.pdf