Dengue-Fieber und Dengue-hämorrhagisches Fieber (DHF)

Aufbau eines Denguevirus-Partikels. © Purdue University, Department of Biological Sciences
Dengue/ DHF in Kürze
- Dengue-Fieber ist eine Viruserkrankung, die durch Stechmücken übertragen wird
- die Krankheit tritt endemisch in mehr als 100 tropischen und subtropischen Ländern der Erde auf
- die weltweite Inzidenz nimmt zu. Etwa 2,5 Milliarden Menschen sind gefährdet
- ein Impfstoff gegen Dengue-Fieber steht derzeit nicht zur Verfügung
- ohne adäquate Behandlung sterben etwa 20 Prozent der Patienten, die an Dengue-hämorrhagischem Fieber erkranken, einer schweren Verlaufsform der Infektion
- durch die Bekämpfung des Vektors (Stechmücken der Gattung Aedes) kann einer Übertragung vorgebeugt und die Inzidenz der Erkrankung verringert werden
Dengue/ DHF im Einzelnen
Erreger
Dengue wird von vier eng miteinander verwandten Viren (Den-1 bis Den-4) verursacht. Sie gehören zur Gattung der Flaviviren: Einzelstrang-RNA-Viren mit einer Größe von ungefähr 40 bis 50 Nanometer. Das RNA-Genom bildet zusammen mit dem „C“-Protein ein Nukleokapsid. In der Lipidmembran-Hülle der Viren sind die beiden Proteine „M“ und „E“ eingelagert. Die vier Serotypen unterscheiden sich in der Aminosäure-Zusammensetzung ihrer E-Proteine.
Übertragung/Pathogenese
Dengue-Viren werden durch Stiche von infizieren Mückenweibchen der Gattung Aedes übertragen. Der Vektor, auf den die meisten Infektionen zurückzuführen sind, ist Aedes aegypti. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein weiterer Vektor aus Asien auf den amerikanischen Kontinenten, Teilen Europas und Afrikas ausgebreitet und zahlreiche Dengue-Fieber-Ausbrüche verursacht. Sein Name: Aedes albopictus.
Nachdem das Mückenweibchen den Erreger aufgenommen hat, erfolgt eine zehntägige Inkubation in der Mücke. Danach kann die Mücke die Dengue-Viren ihr Leben lang auf Menschen übertragen. Die Mücke gibt die Viren auch „vertikal“ - über die Eier – an ihre Nachkommen weiter.
Der Erreger gelangt in den Menschen wenn ein infiziertes Mückenweibchen Blut saugt. Er zirkuliert ungefähr zwei bis sieben Tage in der Blutbahn. In dieser Zeit erkrankt der infizierte Mensch an Fieber, dem charakteristischem Symptom der Infektion. Wird er währenddessen von einem weiteren Aedes-Mücken-Weibchen gestochen, kann diese wiederum den Virus aufnehmen und – nach einer Woche – bei einer folgenden Blutmahlzeiten an einen neuen menschlichen Wirt weitergeben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.
Symptome
Dengue-Fiber ist eine mittelschwere grippeähnliche Erkrankung. Wie schwer die Symptome sind, hängt davon ab, auf welchen Viren-Typ die Infektion zurückgeht und wie alt der Patient ist. Bei jüngeren Kindern verläuft die Erkrankung oft weniger schwer als bei älteren Kindern oder Erwachsen. Grundsymptome sind hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen hinter den Augen und Hautausschläge.
Eine komplikationsreiche, potentiell tödliche verlaufende Verlaufsform ist das Dengue-hämorrhagische Fieber (DHF). Typische Symptome sind hierbei hohes Fieber, das zwei bis sieben Tage andauert. Anschließend entwickeln die Betroffenen ein charakteristisches hämorrhagisches Krankheitsbild: sie neigen zur Blutergüssen, Nasen- und Zahnfleischbluten und manchmal zu inneren Blutungen. Ohne angemessene Behandlung kann es zu einem Kreislaufzusammenbruch oder zum Schock kommen (Dengue-Schock-Syndrom, DSS). Die Sterberate kann mehr als 20 Prozent betragen. Durch eine frühe und angemessene medizinische Versorgung kann sie jedoch auf weniger als ein Prozent gesenkt werden.
Patienten, die sich mit einem der vier Serotypen des Dengue-Virus infiziert haben, bilden keinen Immunschutz gegen die anderen Typen aus. Allerdings scheint sich eine folgende Infektion mit einem neuen Virentyp häufiger zu einem DHF zu entwickeln.
Behandlung
Es gibt keine spezielle Therapie zur Behandlung von Dengue-Fieber oder DHF. In schweren Fällen kann der Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts, etwa durch Infusionen, das Leben eines Patienten retten.
Prävention
Entscheidend bei der Bekämpfung von Dengue-Fieber und DHF ist es, die Verbreitung der Überträger-Mücken einzudämmen. Eine wichtige Maßnahme besteht zum Beispiel darin, dafür zu sorgen, dass die weiblichen Aedes-Mücken keine Brutplätze mehr vorfinden. Aedes aegypti nutzt für seine Eiablage vor allem Wasserspeicher-Container und andere Gegenstände, in denen sich Wasser sammelt, etwa gebrauchte Autoreifen. In Afrika brütet sie auch in natürlichen Lebensräumen, etwa in Baumhöhlen oder Blättern. In urbaner und semi-urbaner Umgebung, lässt sich die Übertragung von Dengue-Fieber verhindern, indem sämtliche Wasser-Auffangbehältnisse zugedeckt oder sorgfältig entsorgt werden. Auch Insektizide können zum Einsatz kommen, um das Brüten in Larven-freundlichen Lebensräumen zu verhindern und /oder Eier, Larven und ausgewachsene Mücken abzutöten.
Impfung
Derzeit steht kein Impfstoff zur Verfügung. Einige Impfstoff-Kandidaten werden derzeit jedoch am Menschen getestet.
Epidemiologie, Inzidenz und Mortalität
Dengue-Fieber tritt endemisch in mehr als 100 Ländern mit tropischem oder subtropischem Klima auf. Nach Angaben der WHO hat die weltweite Inzidenz in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Experten nehmen an, dass der Anstieg darauf zurückzuführen ist, dass sich sowohl die Mücken als auch die verschiedenen Viren-Serotypen geographisch immer mehr ausbreiten. Die WHO schätzt, dass es jährlich etwa 50 Millionen Infektionen gibt und 2,5 Milliarden Menschen mit dem Risiko leben, an Dengue-Fieber zu erkranken. 2007 wurden in Nord- und Südamerika mehr als 890 000 Fälle von Gelbfieber und 26 000 Fälle von DHF gemeldet.
Bei Bevölkerungsgruppen, die zuvor nicht mit Dengue-Viren infiziert waren, beträgt die Infektionsrate während einer Epidemie normalerweise 40 bis 50 Prozent, sie kann aber auch 80 bis 90 Prozent betragen. Dengue-Fieber verläuft nur in Einzelfällen tödlich. Bei DHF und dem Dengue-Schock-Syndrom liegt die Sterberate bei 20, bzw. 44 Prozent.
Gut zu wissen
Aedes aegypti überträgt nicht nur Dengue-Viren sondern auch Gelbfieber-, Chikungunya- und verschiedene andere virale Erreger, die Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier verursachen.
Mehr Informationen
- WHO: www.who.int/csr/disease/dengue/en/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/dvbid/dengue/index.htm
Literatur
- WHO-Merkblatt Dengue/DHF: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs117/en/index.html
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/dvbid/dengue/index.htm
- Robert Koch Institut: www.rki.de/nn_196658/DE/Content/InfAZ/D/Dengue/Dengue.html

