HIV / Aids

HI-Virus. © HZI, Britta Meyer
HIV/AIDS in Kürze
- AIDS (engl.: acquired immunodeficiency syndrome) bezeichnet eine Reihe von Symptomen und Infektionen, die auf eine Schädigung des Immunsystems durch das HI-Virus (engl: human immunodeficiency virus) zurückgehen
- weltweit leben 33,4 Millionen Menschen mit HIV
- AIDS ist die Haupt-Todesursache in Afrika. Zwei Drittel aller HIV-Infizierten leben auf dem afrikanischen Kontinent
- im Jahr 2008 haben sich 2,7 Millionen Menschen neu infiziert
- etwa 2 Millionen sterben jährlich an AIDS
HIV/AIDS im Einzelnen
Der Erreger
Das HI-Virus (engl: human immunodeficiency virus) ist ein umhülltes Retrovirus und gehört zur Gattung der Lentiviridae. Es gibt zwei HIV-Varianten: HIV-1 und HIV-2. Nur ein Prozent aller HIV-Infektionen gehen auf HIV-2 zurück. Das Virus kommt nur in einigen Regionen Westafrikas vor.
Übertragung/Pathogenese
HIV wird übertragen, wenn Körperflüssigkeiten, die das Virus enthalten (Blut, Sperma, Scheidensekret, Präejakulat, Muttermilch) in Kontakt mit Schleimhäuten bzw. der Blutbahn eines Menschen kommen. Die Möglichkeit einer Übertragung besteht zum Beispiel beim Sex, bei Bluttransfusionen oder – im Drogenmilieu – bei gemeinsamer Verwendung von Spritzen. Während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Stillen kann das Virus zudem von der Mutter auf das Kind übertragen werden.
Das HI-Virus infiziert Zellen des Immunsystems, zum Beispiel T-Lymphozyten und Makrophagen. Nach dem Eintritt in die Zelle wird die virale RNA von der viruseigenen reversen Transkriptase in eine DNA-Kopie transkribiert. Dieses Provirus wird dann in den Zellkern transportiert und ins Genom der Wirtszelle eingeschleust. Sobald das Virus ins Wirtsgenom integriert ist, bleibt es für das Immunsystem unsichtbar. Da es von der Infektion bis zu dieser „Latenz“ nur einige Tage bis Wochen dauert, ist das Virus den Angriffen der Immunabwehr nur recht kurz ausgesetzt. Nach dem Einbau in die DNA der Wirtszelle kann die Produktion neuer HI-Viren – unter Beteiligung verschiedener Transkriptionsfaktoren – beginnen.
Auch seine Wandlungsfähigkeit und die daraus resultierende genetische Vielfalt (besonders des Hüllproteins) hilft dem Virus, der Immunabwehr immer wieder zu entkommen.
Die Infektion führt zu einer Abnahme der CD4+ T-Zellen in allen Lymphgeweben und einem Mangel an CD8+ and CD4+ T-Zellen. Die infizierte Person erkrankt an einer Immunschwäche und ist fortan anfällig gegenüber Infektionen und Krebserkrankungen. Wird eine HIV-Infektion nicht behandelt, verläuft sie fortschreitend. Abgesehen von wenigen seltenen Ausnahmen, verbessert sich der Zustand der Patienten nicht spontan.
Symptome
Die Symptome einer akuten HIV-Infektion treten bei einigen Patienten Tage bis Wochen nach der Ansteckung auf. Die Krankheitszeichen sind unspezifisch: Müdigkeit, Fieber, Ausschlag und Gelenkschmerzen werden oft als Zeichen einer Erkältung oder auch einer Mononukleose fehl gedeutet. Während dieser Infektions-Phase geht die Zahl der CD4+ T-Zellen zurück und die Viren sind in großer Zahl im Blut vorhanden (Virämie). Nach der Akut-Infektion stellt sich dann ein Gleichgewicht zwischen der Viren-Replikation und der Immunantwort ein. Oftmals vergehen Jahre ohne Hinweise auf die Erkrankung. Kritisch wird es, wenn die Zahl der CD4+ T-Zellen auf einen Wert unter 200/µl fällt: ab diesem Schwellenwert steigt das Risiko für viele AIDS-definierende Krankheiten stark an.
Die Diagnose AIDS basiert auf dem Vorhandensein bestimmter Krankheiten und Symptome. Verwendete Definitionen, die ursprünglich zu epidemiologischen Zwecken entwickelt wurden, sind das WHO AIDS-Einstufungssystem und das Klassifikations-System der Centers for Disease Control (CDC). Das Klassifikations-System der WHO orientiert sich an Symptomen und wird in Entwicklungsländern verwendet. Das CDC-System hingegen kommt in den entwickelten Ländern zum Einsatz. Es basiert auf den klinischen Bild und auf den gemessenen CD4+ T-Zell-Zahlen. Zu den AIDS-definierenden Erkrankungen gehören opportunistische Infektionen und Malignome, die bei Patienten mit einem gesunden Immunsystem normalerweise nicht auftreten.
Dazu gehören:
- Kandidose
- Kryptosporidiose
- Zytomegalie
- HIV-Enzephalopathie
- dauerhafter Herpes simplex
- Kaposi-Sarkom
- Lymphom, erkennbar an geschwollenen Lymphknoten (Lymphadenopathie)
- Pneumocystis carinii-Pneumonie
- rezidivierende Pneumonien
- Gehirn-Toxoplasmose
- Tuberkulose
- Wasting-Syndrom
Mehr Infos: CDC Case Definition for AIDS:
http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/00018871.htm
Behandlung
Bei der Behandlung von HIV kommen verschiedene antiretrovirale Substanzklassen zum Einsatz:
- Nukleosidanaloge/ Nukleotidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs)
- Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs)
- Protease-Inhibitoren (PIs)
- Fusionsinhibitoren
- Entry-Inhibitoren
Kurz nachdem 1987 mit Azidothymidin (AZT) das erste NRTI auf den Markt kam, traten auch die ersten Medikamenten-Resistenzen auf. Um der Entwicklung von Resistenzen vorzubeugen, besteht eine HIV-Behandlung heute aus einer Kombination verschiedener Präparate. Diese Therapieform, die auch als „hochaktive antiretrovirale Therapie“ (HAART) bezeichnet wird, wurde 1996 eingeführt. Dank ihr wandelte sich AIDS in den Industrienationen nach und nach von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit.
Für die meisten Menschen in den Entwicklungsländern jedoch bleibt die Therapie bis heute unerschwinglich. Lediglich einer von fünf Menschen, der die Medikamente bräuchte, hat in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen die Möglichkeit, sie auch zu bekommen. Die Länder der G8 und die Vereinten Nationen haben ein Rahmenprogramm angekündigt, um die HIV-Prävention, -Behandlung, -Betreuung und -Unterstützung zu verbessern. Man möchte damit dem Ziel, HIV-Medikamente bis zum Jahr 2010 weltweit uneingeschränkt zugänglich zu machen, so Nahe wie möglich kommen.
Impfung
Eine wirksame HIV-Vakzine müsste sowohl die Bildung von neutralisierenden Antikörpern induzieren (um die Viren zu eliminieren) als auch die Bildung cytotoxischer T-Lymphozyten (um infizierte Zellen zu vernichten). Erst kürzlich sind Phase III-Studien mit Impfstoffen fehlgeschlagen. Die Impfstoff-Kandidaten basierten auf viralen Oberflächenproteinen und auf einem rekombinanten Adeno-Virus-Vektor, der HIV-Proteine enthielt. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es etwa ein Jahrzehnt dauern wird, bis die nächsten Phase III-Studien mit einem neuen Impfstoff-Kandidaten anlaufen werden.
Inzidenz und Mortalität
Schätzungen zufolge lebten im Jahr 2007 33 Millionen Menschen mit HIV. Es gab 2,7 neue HIV-Infektionen und 2 Millionen AIDS-bedingte Todesfälle. In vielen Ländern wie zum Beispiel China, Kenia, Mosambik, der Russische Föderation, der Ukraine und in Vietnam steigen die Neuinfektionsraten noch immer. Zwei Drittel aller HIV-infizierten Menschen leben in Afrika, wobei Subsahara-Afrika bei weitem am schlimmsten betroffen ist. 2007 waren 76 Prozent aller AIDS-Toten in diesem Teil des Kontinents zu verzeichnen. Es gibt dort 11,4 Millionen AIDS-Waisen und die Prävalenz bei den Erwachsenen liegt bei schätzungsweise fünf Prozent. AIDS bleibt damit die häufigste Todesursache in den Ländern südlich der Sahara.
Mehr Infos zur HIV-Prävalenz auf worldmapper.org:
http://www.worldmapper.org/display.php?selected=227
und zu HIV/AIDS Todesfällen auf worldmapper.org:
http://www.worldmapper.org/display_extra.php?selected=374
HIV/AIDS und andere Infektionskrankheiten
AIDS-Symptome werden vor allem durch opportunistische Infektionen (durch Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten) verursacht, die bei Patienten mit einem intakten Immunsystem normalerweise nicht auftreten (s. obige Liste). Die Tuberkulose ist dabei von besonderer Bedeutung: Die Mehrheit der Tuberkulose-Toten sind auch mit dem HI-Virus infiziert. Da HIV das Immunsystem schwächt, ist das Risiko für HIV-Patienten, eine offene Tuberkulose zu entwickeln, erhöht. HIV-positive TB-Patienten haben zudem ein zweifach erhöhtes Risiko, eine multi-resistente Tuberkulose zu entwickeln. Um das tödliche Duo zu bekämpfen, haben die WHO und ihre Partner eine TB /HIV Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Mehr Infos: http://www.who.int/tb/challenges/hiv/en/
Mehr Informationen
- WHO: www.who.int/hiv/en/
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_100/nn_196658/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv__node.html
- UNAIDS: 2008 Report on the global AIDS epidemic: www.unaids.org/en/KnowledgeCentre/HIVData/GlobalReport/2008/
- CDC on tuberculosis www.cdc.gov/tb
Literatur
- UNAIDS: The United Nations Joint Programme on HIV/AIDS: www.unaids.org/en/
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_100/nn_196658/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv__node.html
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/hiv/
- The Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria: www.theglobalfund.org/en/
- Hoffmann C, Jürgen K, Rockstroh JK: HIV.NET 2008. Open-Access-Book HIV Medicine (2008 edition in german only, 2007 edition available in english), pdf downloads: www.hivmedicine.com
- Wainberg MA, Jeang KT: 25 years of HIV-1 research – progress and perspectives. BMC Medicine 2008, 6:31. doi:10.1186/1741-7015-6-31 www.biomedcentral.com/1741-7015/6/31
- Sepkowitz KA: One Disease, Two Epidemics – AIDS at 25. N Engl J Med 2006; 354:2411-2414, June 8, 2006. content.nejm.org/cgi/content/full/354/23/2411
- Merson MH: The HIV–AIDS Pandemic at 25 – The Global Response
N Engl J Med 2006; 354:2414-2417, June 8, 2006. content.nejm.org/cgi/content/full/354/23/2414
- Johnston MI, Fauci AS: An HIV Vaccine – Challenges and Prospects. N Engl J Med 2008; 359:888-890, Aug 28, 2008. content.nejm.org/cgi/content/full/359/9/888
- WHO-UNAIDS HIV-Impf-Initiative. www.who.int/vaccine_research/diseases/hiv/en/index.html
- WHO Arbeitsgruppe TB/HIV: www.who.int/tb/challenges/hiv/en/
- Henry J. Kaiser Family Foundation: Global HIV/AIDS Timeline. www.kff.org/hivaids/timeline

