Influenza

Die TEM-Aufnahme zeigt die Ultrastruktur von Influenzaviruspartikeln. © CDC/Dr. F. A. Murphy

Influenza in Kürze

  • die Influenza – auch „echte Grippe“ genannt – ist eine von Viren übertragene Atemwegserkrankung
  • Symptome sind unter anderem Fieber, Kopfschmerzen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • die meisten Menschen genesen nach ein bis zwei Wochen. Allerdings kommt es bei Angehörigen bestimmter Risikogruppen mitunter zu Komplikationen
  • der Grippe-Impfstoff wird stetig den jeweils kursierenden Virus-Subtypen angepasst. Für einen wirksamen Schutz muss die Impfung jedes Jahr wiederholt werden
  • Experten schätzen, dass jährlich zwischen 250 000 und 500 000 Todesfälle weltweit auf das Konto von Influenza-Viren gehen

 

Influenza im Einzelnen

Erreger
Es gibt drei Typen von Influenza-Viren: Typ A, B, und C. Die Typen A und B sind für die alljährlichen Epidemien beim Menschen verantwortlich. Wobei die weltweiten Grippe-Ausbrüche, die so genannten Pandemien, in der Regel auf Typ A zurückgehen.Typ C führt nur zu leichten Atemwegsinfekten und nicht zu Epidemien.

Influenza-Viren gehören zur Familie der Orthomyxoviren. Dies sind Einzelstrang RNA-Viren mit einem segmentierten Genom. Influenza-Viren besitzen acht Genom-Segmente, die mit den Nukleoproteinen verbunden sind. Jedes Segment kodiert für ein oder zwei der viralen Proteine. Auf seiner Hülle trägt das Virus zwei Oberflächenantigene: Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (N).

Bekannt sind 16 verschiedene HA- und neun verschiedene N-Proteine. Sie werden zur Charakterisierung des Subtyps verwendet. Die Influenza A-Subtypen H3N2 und H1N1 zum Beispiel sind derzeit für die meisten Todesfälle verantwortlich. Die Subtypen A und B können darüber hinaus noch in Stämme untergliedert werden. Ein weiteres wichtiges Oberflächenprotein wird als Matrix-Protein (M2) bezeichnet. Es ist der Angriffspunkt für das Medikament Amantadin, das zur Behandlung von Infektionen mit dem Subtyp A verwendet wird.

Typisch für das Influenza-Virus sind ständige kleine genetische Veränderungen, die die HA und N-Antigene auf der Virusoberfläche betreffen. Fachleute bezeichnen diese kontinuierliche Wandlung als „Antigendrift“. Das Ergebnis sind neue Virusstämme, die vom Immunsystem nicht erkannt werden, da seine Antikörper nicht mehr zu den neuen Antigenen passen. Deshalb muss der Impfstoff ständig an das veränderte Virus angepasst werden. Aus dem gleichen Grund muss sich, wer sich dauerhaft gegen die Grippe schützen will, einmal im Jahr mit dem jeweils aktuellen Impfstoff immunisieren lassen.

Im Gegensatz dazu bezeichnet ein „Antigen-Shift“ schnellere und drastischere Veränderungen des Virus, die zu einem völlig neuen Hämagglutinin- und/oder Neuraminidase-Antigen, und damit zu einem neuen Subtyp, führen. Zu einem Antigen-Shift kann es kommen, wenn die acht Genomsegmente eines Influenza-Virus sich mit den Segmenten eines anderen Influenza-Virus vermischen. Möglich wird das, wenn eine einzige Zelle von zwei verschiedenen Viren infiziert wird, etwa bei einem Schwein, das sowohl für Menschen- als auch für Vogel-Influenza-Viren empfänglich ist. Da die Menschen vor einem solchen neuen Virus kaum geschützt sind, kann es zu einer Pandemie kommen.

Während des 20sten Jahrhunderts gab es drei Influenza-Pandemien. 1918/19 („Spanische Grippe, H1N1), 1957 („Asiatische Grippe“, Subtyp H2N2) und 1968 („Hong Kong Grippe“, Subtyp H3N2)

Übertragung/ Pathogenese
Die Influenza ist eine ansteckende Erkrankung. Die Viren werden über die Luft von Mensch zu Mensch übertragen. Wenn eine infizierte Person hustet oder niest, gelangen kleine Tropfen und Partikel in die Luft, die dann von anderen Menschen eingeatmet werden können. Ausgehend von den oberen Atemwegen (Nase und Rachen) verbreiten sich die Viren in die unteren Atemwege. Außerhalb des Körpers können die Erreger einige Stunden überleben, vor allem wenn es kalt und trocken ist. In kaltem Wasser können Influenza-Viren sogar einige Monate überdauern.

Symptome
Die Symptome treten in der Regel ein bis drei Tage nach der Infektion auf. Zu den Krankheitszeichen gehören plötzliches, hohes Fieber, trockener Husten, Muskel-, Kopf- und Halsschmerzen. Nach etwa einer Wochen verschwinden die Beschwerden. Der Patient ist 24 Stunden vor dem Auftreten der ersten Symptome ansteckend. Nach drei bis fünf Krankheitstagen besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.  

Komplikationen

Schwere Krankheitsverläufe sind häufig bei älteren Menschen zu beobachten, vor allem bei Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen. Auch Patienten mit anderen chronischen Krankheiten wie Asthma oder Diabetes sind gefährdet. Häufig verschlechtert sich mit einer Influenza-Infektion ihr chronischer Zustand und sie entwickeln, ausgelöst durch eine bakterielle Superinfektion, eine Lungenentzündung. Nach Angaben der WHO treten die meisten Influenza-Todesfälle in den Industrienationen bei Menschen über 65 auf. Auch kleine Kinder haben ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Sie bekommen häufig Mittelohrentzündungen.  

Behandlung
Bei Menschen, die ansonsten gesund sind, reicht eine Symptombehandlung aus, um die Grippe zu therapieren. Antivirale Medikamente kommen jedoch bei Risikogruppen oder auch zur Vorbeugung einer Grippe-Epidemie zum Einsatz. Werden sie frühzeitig eingenommen, können sie Infektionen verhindern. Bei späterer Einnahme können sie den Krankheitsverlauf mildern und die Dauer der Erkrankung um ein bis zwei Tage verringern.

Die vier antiviralen Grippe-Medikamente gehören zu zwei verschiedenen Gruppen:

Amantadin und Rimantadin blockieren das virale Membranprotein M2 und hindern so das Virus daran, in die Zelle einzudringen. Sie wirken nur gegen Typ A-Influenza und haben teils schwere Nebenwirkungen. So kann etwa Amantadin in seltenen Fällen epileptische Anfälle auslösen. Kommen die Medikamente zum Einsatz, entwickeln sich häufig resistente Virenstämme.

Zanamivir und Oseltamivir gehören zu der Gruppe der Neuraminidase-Hemmer. Sie blockieren die virale Neuraminidase und damit die Freisetzung der neuen Viren aus der Wirtszelle. Sie wirken gegen Influenza-Typ A und B-Viren. Nebenwirkungen und Resistenzen sind nicht so häufig. Aufgrund ihres hohen Preises sind die Medikamente in vielen Ländern jedoch nicht erhältlich.

Impfung
Seit über 60 Jahren stehen der Medizin sichere und wirksame Influenza-Impfstoffe zur Verfügung. Die WHO empfiehlt eine Impfung für ältere Personen und Menschen, die aus gesundheitlichen  Gründen ein hohes Risiko haben. Aufgrund der kontinuierlichen genetischen Wandlung des Influenza-Virus muss die Impfung jedes Jahr mit dem aktualisierten oder neu entwickelten Impfstoff wiederholt werden. Gesunden bietet die Impfung einen etwa 90prozentigen Schutz vor der Grippe. Bei älteren Menschen ist der Schutz geringer, allerdings senkt die Impfung in dieser Gruppe auch die Gefahr von Komplikationen, Krankenhausaufenthalten und das Sterberisiko.

Inzidenz
Während der alljährlichen Grippeepidemien sind nach Angaben der WHO etwa 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Weltweit kommt es zu etwa drei bis fünf Millionen schweren Krankheitsfällen, die bei 250 000 bis 500 000 Menschen zum Tode führen. Todesfälle treten vor allem in den Risikogruppen auf.

Vogelgrippe (A/H5N1)

Influenza A-Viren kommen nicht nur beim Menschen sondern auch bei vielen anderen Tierarten vor, zum Beispiel bei Hühnern, Enten, Schweinen, Pferden und Walen. Wildvögel scheinen das Hauptreservoir der Viren zu sein. Normalerweise erkranken die Vögel nicht an einer Infektion oder sie entwickeln nur leichte Symptome. Sie verbreiten die Viren jedoch auf andere Tierarten, die durch eine Infektion schwer erkranken oder gar sterben können.

Wenn die Vogelgrippe bei Geflügel ausbricht, kann das Virus vom Vogel auf den Menschen übertragen werden. Seit 1997 wurde über mehrere Fälle berichtet, in denen sich Menschen durch  den engen Kontakt zu infizierten Vögeln oder deren Ausscheidungen infiziert haben. Zur Zeit ist eine aggressive Influenza-Variante unter Vögeln im Umlauf: der Subtyp H5N1. Er ist sehr ansteckend und kann auch für die Vögel tödlich sein. Obwohl sich Menschen normalerweise nicht infizieren, kam es zu einigen schweren Krankheitsfällen und Toten durch H5N1. Sehr selten wurde auch über eine Übertragung von Mensch zu Mensch berichtet.

Experten halten es für möglich, dass sich H5N1 genetisch derart verändert, dass das Virus den Menschen leichter als bisher infizieren und sich somit schnell ausbreiten könnte. Sie befürchten eine  Grippe-Pandemie. Aus diesem Grund werden Ausbrüche der Vogelgrippe und Infektionen beim Menschen mit H5N1 genauestens beobachtet. Im Dezember 2008 berichtete die WHO über 389 bestätige Fälle von H5N1-Infektionen beim Menschen, wobei 246 einen tödlichen Verlauf nahmen.

Neue Influenza A/H1N1 (vormals „Schweinegrippe“)
Die Schweinegrippe ist eine Atemwegserkrankung bei Schweinen, die durch Influenza-Viren vom Typ A  hervorgerufen wird. Der klassische Schweinegrippe-Erreger gehört dem Subtyp H1N1 an, aber auch die Subtypen H1N2, H3N2 oder H3N1 sind von Bedeutung. Normalerweise infizieren sich Menschen nicht mit Schweinegrippe; nur selten kommt es bei engem Kontakt zwischen Tier und Mensch zu einer Übertragung des Virus.

Anfang 2009 jedoch identifizierten Gesundheitsbehörden einen Influenzavirus vom Typ A/H1N1, der sich von Mensch zu Mensch verbreitet. Genauere Untersuchungen ergaben, dass der zunächst als „Schweinegrippe“ bezeichnete Erreger tatsächlich aus Genen von Schweine-, Vogel- und humanen Influenzaviren zusammengesetzt ist. Seitdem sprechen Fachleute von „Neuer Influenza“. 

Das Neue Influenza-Virus wird vermutlich genau wie der herkömmliche humane Influenzaerreger  übertragen, das heißt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion, etwa wenn infizierte Personen husten oder niesen. Auch eine Übertragung des Virus über kontaminierte Oberflächen (zum Beispiel Türklinken) ist möglich,. Die Symptome der Neuen Grippe ähneln ebenfalls denen der typischen Wintergrippe: Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Halsschmerzen. Durchfall und Erbrechen scheinen bei der Neuen Grippe ebenfalls aufzutreten.

Für die Behandlung der Neuen Grippe stehen wirksame Medikamente zur Verfügung. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ausbreitung der Viren im Körper mit Neuraminidase-Hemmern (Oseltamivir, Zanamivir) gestoppt werden kann. Gegen die antiviralen Medikamente Amantadin und Rimantadin hingegen scheinen die Viren resistent zu sein.

Da in der Bevölkerung bisher keine Immunität gegen die Neue Grippe vorhanden ist, ist eine weltweite Ausbreitung des Erregers, also eine Grippe-Pandemie, möglich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat deshalb am 29. April 2009 die Pandemie Warnphase 5 ausgerufen. Sie ist charakterisiert durch eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung in mindestens zwei Staaten einer WHO-Region. Die Phase 5 signalisiere, dass eine Pandemie unmittelbar drohe und die verbleibende Zeit für die Organisation und Durchführung der geplanten Schutzmaßnahmen kurz sei, heißt es bei der WHO.

Trotz der drohenden Gefahr weisen die WHO-Experten daraufhin, dass “die Welt besser als je zuvor in der Geschichte auf eine Influenza-Pandemie vorbereitet ist”. Dies sei vor allem auf die jahrelange Beobachtung der Vogelgrippe zurückzuführen. Weltweit hätten Länder Vorsorge für eine mögliche Pandemie mit dem A/H5N1-Erreger getroffen. Diese Pandemiepläne könnten nun rasch aktiviert werden. Vorsorglich produzierte und eingelagerte antivirale Medikamente stünden zur Verfügung.

Bisher (Stand Mai 2009) scheint die Neue Grippe vergleichsweise milde Infektionen hervorzurufen. Dennoch ist es möglich, dass sich das Virus im Laufe der Zeit verändert und aggressiver wird. Ob eine bestimmte Bevölkerungsgruppe (etwa Kleinkinder oder ältere Menschen) besonders gefährdet ist, ist derzeit nicht bekannt.

Mehr Informationen:
- WHO: www.who.int/csr/disease/influenza/en/
- WHO zur Vogelgrippe: www.who.int/csr/disease/avian_influenza/en/index.html
- WHO zur Neuen Influenza: www.who.int/csr/disease/swineflu/en/index.html
- The Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/flu/

Literatur
- WHO: www.who.int/csr/disease/influenza/en/
- WHO zur Vogelgrippe: www.who.int/csr/disease/avian_influenza/en/index.html
- The Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/flu/
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_100/nn_196658/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/IPV__Node.html
- Flu Net: gamapserver.who.int/GlobalAtlas/home.asp
- WHO-Merkblatt zur Influenza. www.who.int/mediacentre/factsheets/fs211/en/index.html