Malaria

Mikroaufnahme eines Blutausstriches. Zu sehen ist ein Mikrogametozyt von P. falciparum.

Mikroaufnahme eines Blutausstriches. Zu sehen ist ein Mikrogametozyt von P. falciparum. © CDC / Dr. Mae Melvin

Malaria in Kürze

  • Malaria wird durch einzellige Parasiten, Protozoen der Gattung Plasmodium, verursacht    
  • der Parasit wird durch Anopheles-Mücken übertragen
  • Malaria ist heilbar, der Erkrankung kann wirksam vorgebeugt werden
  • ohne Behandlung verläuft die Infektion oft tödlich
  • bislang ist kein Impfstoff gegen Malaria zugelassen
  • über eine Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Malaria, die Hälfte von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren
  • Schätzungen zur Folge erkranken jährlich zwischen 250 und 500 Millionen Menschen
  • alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria

 

Malaria im Einzelnen

Der Erreger
Malaria wird durch Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht. Vier Plasmodium-Arten sind Malaria-Erreger beim Menschen: P. falciparum, P. vivax, P. ovale und P. malariae. Die meisten Malaria-Todesfälle gehen auf P. falciparum zurück.

Übertragung/Pathogenese                            
Malaria-Parasiten durchleben einen komplizierten Lebens- und Entwicklungszyklus, der sowohl in der Mücke als auch im menschlichen Wirt abläuft. Der Parasit wird durch den Stich einer infizierten Anopheles-Mücke von Mensch zu Mensch übertragen. So genannte Sporozoiten in der  Speicheldrüse der Mücken gelangen in die Blutbahn, wenn ein infiziertes Weibchen menschliches Blut saugt. Der Sporozoit schließt sich in einer Leberzelle ein, um einen Schizonten zu bilden. Dieser wächst einige Tage (je nach Art des Parasiten zwischen fünf und 18 Tage) heran, um dann hunderte bis tausende Tochterzellen, so genannten Merozoiten, freizusetzen. Bei Infektionen mit P. falciparum bildet eine einziger Sporozoit 30 000 bis 40 0000 Merozoiten innerhalb von fünf bis sieben Tagen.

Die Merozoiten infizieren rote Blutkörperchen, in denen sie sich anschließend vermehren (ein P. falciparum Merozoit produziert 8 bis 24 Kopien innerhalb von 48 Stunden). Schließlich platzen die Blutzellen und geben wiederum Merozoiten ins Blut frei. Diese infizieren weitere rote Blutkörperchen. Ein paar Merozoiten entwickeln sich zu  Gametozyten, die für ein paar Tage im Blut bleiben und von einer Mücke aufgenommen werden können.

Im Darm der Mücke entwickeln sich die Gametozyten zu männlichen und weiblichen Gameten. Diese verschmelzen und bilden eine so genannte Ookinete, die zu einer Oozyste heranwächst. Wenn diese platzt, werden Sporozoiten frei, die in die Speicheldrüse der Mücke wandern. Bei der nächsten Blutmahlzeit können die Sporozoiten dann auf einen weiteren Menschen übertragen werden und der Zyklus beginnt von Neuem.

P. vivax and P. ovale können darüber hinaus im Leberstadium eine schlafende Parasitenform, so genannte Hypnozoiten, ausbilden. Diese können monate- oder sogar jahrelang ruhen, bis sie reaktiviert werden und einen Malaria-Rückfall mit den typischen Symptomen hervorrufen.  

Symptome
Der wiederkehrende Befall der roten Blutkörperchen verringert das Sauerstoffangebot im Körper. Dadurch kommt es zu den klassischen Malaria-Symptomen: Fieber, Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Kopf- und Muskelschmerzen. Bei manchen Patienten geht die Erkrankung mit schweren Komplikationen wie etwa einer „zerebralen“ Malaria, Blutarmut, Anämie oder Nierenversagen einher – manchmal mit tödlichen Folgen. Andere Menschen zeigen trotz einer Plasmodien-Infektion überhaupt keine Symptome. Wie schwer ein Mensch erkrankt, ist unter anderem davon abhängig, mit welcher Plasmodien- Art er sich infiziert hat. Außerdem spielen auch die genetische Ausstattung und das Immunsystem des Patienten eine Rolle.  Am schwersten verlaufen in der Regel Infektionen mit P. falciparum. Bis zu 20 Prozent der Patienten, die an der durch P. falciparum hervorgerufenen „Malaria tropica“  erkranken, sterben.

Behandlung
Es gibt eine ganze Reihe von Chemotherapeutika zur Vorbeugung und Behandlung der Malaria und  ihren Komplikationen. Am häufigsten kommen Chinin und seine Derivate sowie  Kombinationspräparate mit Folsäureantagonisten zum Einsatz. Mit der Behandlung sollte so früh wie möglich begonnen werden. Welche Therapie richtig ist, hängt vom Erregertyp ab und davon, ob der Erreger möglicherweise gegen bestimmte Arzneimittel Resistenzen aufweist. Auch die schwere der Symptome spielt eine Rolle.

Medikamentenresistenzen sind in vielen Ländern zum Problem bei der Malaria-Bekämpfung geworden. Nach Angaben der WHO haben zwei der vier Plasmodien-Erreger Resistenzen entwickelt. Bei P. falciparum richten sich diese sogar gegen alle derzeit eingesetzten Antimalaria-Mittel, allerdings variiert die „geographische Verbreitung der Resistenzen gegenüber den einzelnen Antimalariamitteln stark“. Chloroquin und/oder Primaquin haben in einigen Gebieten auch ihre Wirksamkeit gegenüber P. vivax verloren.

Prävention
Das Hauptanliegen der weltweiten Bemühungen im Kampf gegen die Malaria ist es, den Vektor  - also die Anopheles Mücke – einzudämmen. Als grundlegende Maßnahmen gelten das Einsprühen von Wohnräumen mit einem langwirksamen Insektizid (Indoor Residual Spraying, IRS) und die Nutzung von langlebigen imprägnierten Moskitonetzen (Long-Lasting Insecticidal Nets, LLIN). Wie sich gezeigt hat, kann die Übertragung des Malariaparasiten auf diese Weise wirksam verhindert und die Zahl der Infektionen verringert werden. Allerdings werden die Bestrebungen, die Menschen in den Risikogebieten vor der Malaria zu schützen, derzeit durch eine fatale Entwicklung behindert: zunehmend bilden die Mücken Resistenzen gegenüber den eingesetzten Insektiziden aus.

Impfung
Bislang gibt es keine Malaria-Impfung. Verschiedene Impfstoff-Kandidaten werden jedoch zur Zeit getestet. Bei einem der Medikamente („RTS,S/AS01“) beginnen 2009 die klinischen Phase III Studien, die für eine mögliche Zulassung von Bedeutung sind. Die Ergebnisse der Phase II-Studien sind viel versprechend: der Impfstoff scheint Babys und kleine Kinder wirksam vor Malaria zu schützen.

Epidemiologie, Inzidenz und Mortalität
Ungefähr 40 Prozent der Weltbevölkerung leben in Gebieten, in denen die Malaria übertragen wird. Die meisten von ihnen in Afrika: etwa 90 Prozent aller Fälle sind hier zu verzeichnen. Aber auch in anderen tropischen und subtropischen Regionen der Welt (mit Ausnahme von Australien) gibt es Malaria. Wie die WHO 2008 in ihrem „Welt-Malariareport“  berichtet, gab es 2006 weltweit 247 Millionen Fälle. Über eine Millionen Menschen sterben jährlich an der Malaria. Kinder unter fünf Jahren sind am stärksten gefährdet.

Dank der besseren Zugänglichkeit zu Malaria-verhütenden Maßnahmen, wie zum Beispiel Bettnetzen und Raumsprays mit Insektiziden ist die Todesrate in einigen afrikanischen Ländern beträchtlich gesunken. Eritrea, Ruanda und der Inselstaat São Tomé und Principe zum Beispiel berichteten über eine Verringerung der Malariafälle um 50 Prozent und mehr zwischen den Jahren 2000 und 2006/7. Mehr Informationen dazu im „Welt-Malariareport 2008“ der WHO  (www.who.int/malaria/wmr2008).

Flughafen-Malaria
Auch außerhalb von Malaria-Endemie-Gebieten tritt die Malaria hin und wieder auf. Zu der so  genannten „Flughafen“- oder „Gepäck-Malaria“ kommt es, wenn eine infizierte Mücke im Flugzeug oder im Passagier-Gepäck in eigentlich malariafreie Gebiete reist und dort Menschen infiziert, die in der der Nähe des Flughafens leben.

Gut zu wissen...
Für wissenschaftliche Arbeiten zur Malaria wurden bereits vier Nobelpreise verliehen: Sir Ronald Ross (1902), Charles Louis Alphonse Laveran (1907), Julius Wagner-Jauregg (1927) und Paul Herrmann Müller (1948). Auch Camillo Golgi, der für seine Arbeit über das Nervensystem 1906 den Nobelpreis erhielt, leistete einen bedeutenden Beitrag bei der Erforschung der Malaria.

Mehr Informationen
- WHO Global Malaria Programme: www.who.int/malaria/
- WHO World Malaria Report 2008: www.who.int/malaria/wmr2008
- The Global Fund to fight Aids, Tuberculosis and Malaria:  www.theglobalfund.org/en/
- The Initiative for Vaccine Research on Malaria: www.who.int/vaccine_research/diseases/soa_parasitic/en/index4.html
- The European Malaria Vaccine Initiative: www.emvi.org/
- WHO tropical disease research – Malaria: www.who.int/tdr/svc/diseases/malaria

Literatur
- WHO Merkblatt zu Malaria: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs094/en/index.html
- WHO World Malaria Report 2008: www.who.int/malaria/wmr2008
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_100/nn_494530/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Malaria.html
- Centers for Disease Control and Prevention on Malaria: www.cdc.gov/malaria/
- The Initiative for Vaccine Research on Malaria: www.who.int/vaccine_research/diseases/soa_parasitic/en/index4.html