Masern

Measles infection in a brain cell nucleus © Mike Kayser, Wellcome Images

Masern in Kürze

  • Masern werden von Viren übertragen.
  • die Erkrankung betrifft vor allem die Atemwege und ist sehr ansteckend
  • Symptome sind unter anderem: hohes Fieber, Ausschlag, Husten, eine laufende Nase und rote, wässrige Augen
  • bei etwa 20 Prozent der Patienten kommt es zu Komplikationen wie Durchfall, Ohren-, Lungen- oder Hirnentzündungen
  • das höchste Risiko für Komplikationen tragen Kinder unter 5 Jahren, die nicht geimpft sind
  • der Impfstoff gegen Masern ist sicher und wirksam
  • die Immunität (sowohl nach der Impfung, als auch nach einer Infektion) besteht ein Leben lang
  • durch Impfkampagnen konnte die Zahl der Masern-Toten weltweit um 74 Prozent gesenkt werden



Masern im Einzelnen

Der Erreger
Das Masernvirus gehört – innerhalb der Familie der Paramyxoviren – zur Gattung der Morbilliviren. Es handelt sich um ein Einzelstrang-RNA-Virus (single stranded RNA, ssRNA). Das Erbgut ist in Form eines nicht-segementierten, helikalen Nukleokapsids verpackt. In der  umhüllenden Lipiddoppelmembran sind zwei  Proteine eingelagert: das Hämagglutinin (HA) und das Fusionsprotein (F). Die Viruspartikel sind unterschiedlich groß, in der Regel beträgt ihr Durchmesser zwischen 120 und 350 Nanometer.

Das Virus kann durch Licht, hohe Temperaturen, UV-Strahlung oder Desinfektionsmittel zerstört werden. Außerhalb des Wirts kann es bis zu zwei Stunden überleben. Das Virus-Reservoir sind infizierte und akut erkrankte Personen.

Übertragung/Pathogenese
Bei den Masern handelt es sich um eine der ansteckendsten Erkrankungen überhaupt. Die Viren siedeln sich im Nasen-Rachen-Raum der infizierten Personen an und werden durch Husten, Niesen und durch nahen Kontakt zu anderen Menschen übertragen. Der so genannte Kontagionsindex liegt bei nahezu 100 Prozent. Das bedeutet: fast jede Person, die mit einem Patienten in direkten Kontakt tritt, infiziert sich – sofern sie nicht bereits immunisiert ist.  

Die Viren gelangen über die oberen Atemwege oder über die Bindehaut in den Körper. Sie befallen die Lymphknoten und eine erste Virämie beginnt. Während der zweiten Virämie nach einigen Tagen dringt das Virus dann in Haut, Niere und Blase des Patienten vor.

Symptome
Während der Inkubationszeit von 10 bis 12 Tagen (nach der Infektion) zeigt der Patient zunächst  keine Krankheitszeichen. Danach treten erste Symptome wie Fieber, Unwohlsein, Niesen, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündungen auf. Auf der Mundschleimhaut erscheinen charakteristische weiße Flecken, so genannte Koplik-Flecken. Nach ein paar Tagen bekommt der Patient den Masern-typischen Hautausschlag. Er beginnt hinter den Ohren und an der Stirn, breitet sich dann über den ganzen Körper aus bis hin zu den Händen und Füßen. Normalerweise dauert der Ausschlag fünf bis sechs Tage und klingt dann ab. Ansteckend ist ein Patient vier Tage bevor der Ausschlag beginnt und vier Tage danach.

Komplikationen
Für gewöhnlich sind die Masern eine leicht bis mittelschwer verlaufende Erkrankung. Bei ungefähr 20 Prozent der infizierten Personen kommt es jedoch zu Komplikationen. Betroffen sind vor allem Kinder unter fünf Jahren und Erwachsene über 20. Unterernährte Kinder oder Kinder mit einem Vitamin-A-Mangel sind besonders gefährdet. Tödlich verlaufende Masern-Erkrankungen sind immer die Folge von Komplikationen und nicht die Folge der eigentlichen Virus-Erkrankung.

Bakterielle Infektionen:
Aufgrund einer vorübergehenden Schwächung des Immunsystems, die mit der Erkrankung einhergeht, kommt es häufig zu sekundären bakteriellen Infektionen, wie zum Beispiel Mittelohrentzündungen, Bronchitiden und Lungenentzündung. Letztere sind die häufigste Todesursache bei Masern. Eines von 20 Kindern, die an Masern erkrankt sind, entwickelt eine Lungenentzündung. Mittelohrentzündungen treten in 5 bis 15 Prozent der Fälle auf.  

Durchfall:
Insbesondere bei kleinen und schlecht ernährten Kindern können durch Masern bedingte Durchfälle zu einem starken Wasserverlust des Körpers und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen.

Masernenzephalitis:

Ungefähr eines von 1000 erkrankten Kindern entwickelt eine akute Masernenzephalitis. Diese Entzündung im Gehirn kann Krampfanfälle auslösen und schwere Schäden, wie Taubheit und geistige Schäden nach sich ziehen. Die Todesrate liegt bei ungefähr 15 Prozent.

Subakut sklerosierende Panenzephalitis (SSP):

Diese folgenschwere Komplikation tritt bei ungefähr einem bis zehn von 100 000 Patienten auf und beginnt sechs bis acht Jahre nach der ursprünglichen Masern-Infektion. Erste Zeichen sind die Verminderung der intellektuellen Leistungsfähigkeit und psychologische Auffälligkeiten. Im weiteren Verlauf kommen andere neurologische Symptome, wie zum Beispiel Krämpfe und Sprachverlust hinzu. Die Krankheit schreitet langsam voran, wobei die Symptomatik sehr unterschiedlich ist. 75 Prozent der Patienten erblinden im Verlauf der Infektion. Die Krankheit dauert ein bis drei Jahre und führt stets zum Tod.

Masern während der Schwangerschaft:
Infektionen während der Schwangerschaft führen häufig zu Fehl- oder Frühgeburten. Überlebende Kinder zeigen teils nur leichte Symptome, andere erkranken schwer und leiden an   Komplikationen, oftmals an einer Lungenentzündung.

Behandlung
Gegen das Virus selbst gibt es keine Therapie. Da die Masern von alleine wieder verschwinden, ist auch keine spezielle Behandlung notwendig. Teilweise kann jedoch Komplikationen vorgebeugt werden, etwa durch eine Nahrungsergänzung. Entsprechend der WHO Empfehlungen sollten Kinder in den Entwicklungsländern zur Prävention von Augenschäden und Erblindung Vitamin-A-Präparate erhalten. Im Fall einer bakteriellen Superinfektion (Lungen- oder Mittelohrentzündung) kann eine Therapie mit Antibiotika angezeigt sein.
        
Impfung                
Der Masernimpfstoff ist sicher, wirksam und kostengünstig. Die abgeschwächten (attenuierten) Masernviren werden als Lebendimpfstoff häufig gemeinsam mit dem Röteln- und/oder dem Mumpsimpfstoff verabreicht (MR oder MMR-Impfung). Die Immunisierungsraten sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Regionen mit hohen Impfraten treten die Masern nur sehr selten auf – häufig als „importierte“ Fälle. In den meisten industrialisierten Ländern ist die Maserninzidenz niedrig. Allerdings sind die Durchimpfungsraten keineswegs so gut wie sie sein könnten. Wären alle Kinder geimpft, könnte dies dazu beitragen, die Verbreitung des Masernvirus weiter einzudämmen.

Das Problem in den Entwicklungsländern besteht vor allem darin, sämtliche Kleinkinder  mit Impfprogrammen zu erreichen. Im Jahr 2003 starteten WHO und UNICEF eine weltweite Strategie, um die Zahl der Maserntoten zu verringern. Als Länder mit besonderer Dringlichkeitsstufe wurden 47 Nationen eingestuft, die über 95 Prozent der Masern-Toten zu verzeichnen hatten. Dank dieser Kampagne und dem Engagement anderer weltweiter Initiativen (wie zum Beispiel „The Measles Initiative“) ist die Zahl der Maserntoten deutlich zurückgegangen. Aktuellen Zahlen der WHO zufolge, sank die Todesrate zwischen 2000 und 2007 um weltweit 74 Prozent. Von geschätzten 750 000 Fällen auf 197 0000 Tote. In Afrika nahm die Zahl der Todesfälle um ganze 89 Prozent ab. In der östlichen Mittelmeerregion (mit Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Somalia und Sudan) ist die Maserntodesrate um beachtliche 90 Prozent gesunken.

Mehr Informationen
- WHO: www.who.int/topics/measles/en/
- The Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/diseases/submenus/sub_measles.htm
- The Measles Initiative: www.measlesinitiative.org
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_091/nn_494538/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Masern.html

Quellen
- WHO-Merkblatt zu Masern: www.who.int/topics/measles/en/
- The Measles Initiative, Masern-Statistik 2007: Maserntodesrate sinkt weltweit um 74  Prozent www.who.int/mediacentre/news/releases/2008/pr47/en/index.html
- Centers for Disease and Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/Diseases/submenus/sub_measles.htm
- virology-online.com/viruses/MEASLES.htm
- Molekulare Virologie, Susanne Modrow, Dietrich Falke, Spektrum Akademischer Verlag GmbH Heidelberg, 1997