Meningokokken-Meningitis

Photomicrograph of Neisseria meningitidis recovered from the urethra of an asymptomatic male. © CDC / James Volk
Meningokokken-Meningitis in Kürze
- der Erreger der Meningokokken-Meningitis ist das Bakterium Neisseria meningitidis („Meningococcus“)
- durch die Infektion kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Als „Meningen“ bezeichnen Mediziner jene Bindegewebsschichten, die Gehirn und Rückenmark umgeben
- Sporadisch kommt es überall auf der Welt zu Epidemien. Die Hauptlast der Erkrankung tragen afrikanische Länder, die im so genannten „Meningitis-Gürtel“ südlich der Sahara liegen.
- fünf bis zehn Prozent der infizierten Personen sterben – selbst dann wenn sie frühzeitig und angemessen medizinisch versorgt werden
- es stehen verschiedene Impfstoffe gegen Meningokokken zur Verfügung, allerdings nicht gegen alle Serotypen, die im Umlauf sind
Meningokokken-Meningitis im Einzelnen
Der Erreger
Neisseria meningitidis-Bakterien sind gram-negative Diplokokken. Insgesamt sind zwölf Serotypen bekannt. Vier davon (A, B, C und W135) können Epidemien verursachen. Die Serogruppen unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Kapsel-Polysaccharide. 10 bis 25 Prozent der Bevölkerung sind mit N. meningitidis-Bakterien infiziert ohne klinische Symptome zu zeigen.
Übetragung/ Pathogenese
Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion – etwa beim Küssen, Niesen oder Husten – von Mensch zu Mensch übertragen. Der Erreger vermehrt sich normalerweise im Rachen. Manchmal gelangt er in die Blutbahn und ins Gehirn. Der Grund hierfür ist bislang nicht gänzlich geklärt. Der Mensch ist das alleinige Reservoir von Neisseria meningitidis.
Symptome
Die Inkubationszeit einer Meningokokken-Infektion kann zwischen zwei und zehn Tagen betragen. Normalerweise dauert es drei bis vier Tage bis die ersten, meist unspezifischen Symptome auftreten. Die Patienten leiden zum Beispiel an Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel. Etwa zwei Drittel der Meningokokken-Infektionen führen zu einer Hirnhautentzündung. Typische Symptome der Meningitis sind Erbrechen und Nackensteife. Bei einem Drittel der Patienten kommt es zu einer Blutvergiftung, einer so genannten Meningogokokken-Sepsis. Typische Zeichen dieser schweren Verlaufsform sind ein ausgeprägtes flohstichartiges Exanthem und/oder größere Haut-Einblutungen (hämorrhagisches Exanthem). Etwa zehn bis 15 Prozent der Sepsis-Patienten entwickeln das gefährliche „Waterhouse-Friderichsen-Syndrom“. Sie erleiden einen septischen Schock, der oftmals tödlich verläuft.
Komplikationen
Bei 10 bis 20 Prozent der infizierten Personen kommt es zu Komplikationen und schweren Langzeitschäden. Eine Meningitis etwa kann psychosomatische Entwicklungsstörungen, die Entwicklung eines Hydrozephalus, Krampfanfälle, intellektuelle Störungen und Lernschwierigkeiten zur Folge haben. Nach einer Meningokokken-Sepsis kann es zu einer Nekrose der Gliedmaßen kommen. Im schlimmsten Fall müssen diese amputiert werden.
Behandlung
Verschiedene Antibiotika wirken gegen N. meningitidis-Infektionen. Mit der Behandlung sollte so früh wie möglich begonnen werden. Auch bei einer adäquaten Behandlung sterben jedoch fünf bis zehn Prozent der Patienten. Die Ansteckungsgefahr ist 24 Stunden nach dem Beginn einer wirksamen Antibiotikabehandlung gebannt.
Epidemiologie/ Inzidenz
Menigokokken-Infektionen treten sporadisch überall auf der Welt auf. In den Industrieländern handelt es sich meist um Einzelfälle oder kleinere Ausbrüche (etwa 0,5 bis 1 Fälle pro 100 000 Einwohner). In den gemäßigten Breiten ist die Zahl der Fälle im Winter und Frühling am höchsten. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin sind 30 bis 40 Prozent der Infektionen in Europa und Nord-Amerika zwischen Januar und März zu verzeichnen. Diese Infektionen werden vor allem den Serogruppen B und C zugeordnet.
Die meisten Fälle treten in Afrika, südlich der Sahara auf. Der so genannte Meningitis-Gürtel erstreckt sich vom Senegal im Westen bis Äthiopien im Osten des afrikanischen Kontinents. Hier kommt es während der trockenen Jahreszeit zwischen Dezember und Juni regelmäßig zu Epidemien. Die größten Ausbrüche im Meningitis-Gürtel – und auch in Asien – wurden in den letzten Jahren von Erregern aus den Serogruppen A,C, W135 oder X verursacht.
Bei großen Epidemien infizieren sich nach Angaben der WHO 100 bis 800 Individuen pro 100 000 Einwohner. Einzelne Gebiete haben sogar noch höhere Infektionsraten zu verzeichnen. Zwischen 1996 und 2002 wurden der WHO 223 000 Fälle von Meningokokken-Meningitiden gemeldet. Am stärksten betroffen waren die Länder Burkina Faso, Tschad, Äthiopien und Niger.
Impfung
Es gibt verschiedene Impfstoffe. Gegen die Serogruppen A,C,Y und W 135, also jene Erregertypen, die für Epidemien verantwortlich sind, stehen Polysaccharid-Impfstoffe zur Verfügung. Da sie nur für drei bis fünf Jahre Schutz bieten und für Kinder unter zwei Jahren nicht geeignet sind, empfiehlt die WHO derzeit keine generelle Impfung (etwa zur Vorbeugung von Epidemien im afrikanischen Meningitis-Gürtel). In vielen Ländern jedoch sprechen sich die nationalen Gesundheitsbehörden für Routine-Impfungen gegen verschiedene Serogruppen aus. In den Vereinigten Staaten etwa sollen sich Jugendliche im Alter zwischen 11 und 18 Jahren mit einem Konjugat-Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, Y und W135 impfen lassen.
Gut zu wissen...
Im Jahr 1996 hat Afrika den bislang größten Meningitis-Ausbruch der Geschichte durchlebt: damals registrierte die WHO mehr als 250 000 Fälle mit rund 25 000 Toten.
Mehr Informationen
- WHO: www.who.int/topics/meningitis/en/
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/meningitis/bacterial/faqs.htm
Literatur
- WHO-Merkblatt zur Meningitis: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs141/en/
- Robert Koch Institut, Ratgeber Infektionskrankheiten Meningokokken-Erkrankungen: www.rki.de/cln_091/nn_494546/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Meningokokken.html

