Tuberkulose

SEM of Gram-positive Mycobacterium tuberculosis under high magnification of 15549x © CDC

Tuberkulose in Kürze

  • Tuberkulose (TB) ist eine durch Mycobacterium tuberculosis hervorgerufene Atemwegserkrankung
  • ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulose infiziert
  • fünf bis zehn Prozent der Infizierten entwickeln irgendwann eine „offene“ TB
  • jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an TB
  • bei HIV-positiven Patienten ist Tuberkulose die Haupt-Todesursache

 

Tuberkulose im Einzelnen

Erreger
Die Mehrheit aller Tuberkulosefälle beim Menschen wird durch Mycobacterium tuberculosis verursacht. M. tuberculosis ist ein obligat aerobes Bakterium und gehört zur Gattung der Mykobakterien. Sehr viel seltener sind andere Erreger des „Mycobacterium tuberculosis- Komplex“  Auslöser einer Tuberkulose, etwa M. bovis, M. africanum, M. canetti oder M. microti. Bei ungefähr 80 Prozent der Patienten betrifft die Tuberkulose die Lunge („pulmonale“ TB). Allerdings können auch andere Organe befallen sein. Einziges Reservoir von M. tuberculosis ist der Mensch.

Übertragung/ Pathogenese
Die Übertragung des Erregers erfolgt über die Luft. Menschen mit einer offenen Lungen-TB verbreiten die Bakterien, wenn sie Husten, Niesen oder Sprechen. Je nach Umweltbedingungen kann das Bakterium einige Stunden in der Luft überleben. Um sich zu infizieren, reicht es aus, dass ein Mensch nur wenige Erreger einatmet. Allerdings bedeutet eine Infektion nicht notwendigerweise, dass die betroffene Person auch erkrankt. Menschen können den Erreger über Monate und Jahre in sich tragen, ohne eine Tuberkulose zu entwickeln. Man spricht von einer latenten TB.

Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, etwa durch eine andere Erkrankung, bricht die Krankheit aus. Etwa fünf bis zehn Prozent aller infizierten Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine offene TB, die meisten innerhalb der ersten zwei Jahre. Nur Menschen mit einer offenen TB sind infektiös und können den Erreger auf andere Menschen übertragen.

Symptome
Die ersten Symptome einer Tuberkulose sind meist unspezifisch. Die Krankheit äußert sich durch Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, Gewichtsverlust und nächtliche Schweißausbrüche. Ein länger als drei Wochen anhaltender Husten, Blut im Auswurf und Schmerzen in der Brust gelten als Anzeichen einer Lungen-TB.

Behandlung

Eine offene TB wird in der Regel mittels einer Kombinationstherapie behandelt. Diese beinhaltet verschiedene Tuberkulose-Medikamente, die mindestens über ein halbes Jahr hinweg eingenommen werden müssen. Normalerweise ist der Patient zwei bis drei Wochen nach Beginn der Therapie nicht mehr ansteckend. Die Medikamente müssen entsprechend der Verordnung regelmäßig  eingenommen werden. Werden sie nicht richtig oder über einen zu kurzen Zeitraum eingenommen, können die Tuberkulose-Bakterien Resistenzen entwickeln.

Arzneimittel-resistente Bakterien stellen bereits heute eine schwerwiegendes Problem im weltweiten Kampf gegen die Tuberkulose dar. Nach Feststellung der WHO sind Resistenzen gegen einzelne Medikamente in allen Ländern dokumentiert. Ein noch größeres Problem bereiten multiresistente Erreger, die vornehmlich in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion auf dem Vormarsch sind. Diese Bakterien sind gegen mindestens zwei der wirkungsvollsten Tuberkulose-Medikamente resistent: Isoniazid und Rifampicin. Patienten, die mit einem solch multi-resistenten Erreger infiziert sind, müssen über einen längeren Zeitraum hinweg mit teureren Medikamenten behandelt werden.  

Bislang noch relativ selten sind Tuberkuloseerreger, die nicht nur gegen Isoniazid und Rifampicin sondern auch gegen jegliche Fluoroquinoline und mindestens eines der Zweitlinien-Medikamente resistent sind, die gespritzt werden müssen. Fachleute bezeichnen diese extrem resistenten Stämme als  XDR-Stämme („extensively drug-resistent“). XDR-TB findet sich häufig dort, wo viele TB-Patienten und HIV-Infizierte sind.

Arzneimittel-resistente Bakterien entwickeln sich, wenn Patienten ihre Behandlung zu früh abbrechen oder Ärzte eine falsche Behandlung verordnen. Besonders in abgelegenen Regionen vieler Entwicklungsländer ist eine stetige Versorgung der Patienten mit Tuberkulose-Medikamenten – und damit eine fehlerfreie Therapie – häufig schwierig zu gewährleisten.

Impfung
Der Tuberkulose Impfstoff  „Bacillus Calmette-Guérin“ (BCG) kommt vor allem in Ländern mit hoher TB-Prävalenz zum Einsatz. Ziel ist es, Säuglinge und Kleinkinder vor der für sie  lebensbedrohlichen Tuberkulose schützen. Allerdings sind sich Experten uneins darüber, wie wirksam der BCG-Impfstoff tatsächlich ist. Während einige Studien dem Impfstoff eine optimale Wirkung bescheinigen, kommen andere Forscher zu dem Schluss, dass BCG gar nicht vor Tuberkulose schützt.

Wissenschaftler bemühen sich derzeit einen neuen Impfstoff gegen Tuberkulose zu entwickeln. Einige Kandidaten werden derzeit auf ihre Wirksamkeit geprüft. Mehr Informationen dazu: WHO Initiative for Vaccine Research (IVR).

Häufigkeit

Ein Drittel der Weltbevölkerung – ca. zwei Milliarden Menschen – sind mit dem Tuberkulose-Erreger infiziert. Entsprechend dem aktuellen WHO Bericht zur Tuberkulose gab es 2006 weltweit 9,2 Millionen neue Fälle. 1,7 Millionen Menschen starben.  Die Zahlen zeigen aber auch, dass die Zahl der Neuerkrankungen pro Kopf seit 2003 weltweit abnimmt. Das Millenium-Entwicklungsziel Nr. 6, die TB-Neuerkrankungsrate vor dem Jahr 2015 zum Rücklauf zu bringen, rückt damit in greifbare Nähe. Eine entscheidende Rolle beim Kampf gegen die Tuberkulose spielt die „Stoppt TB“-Initiative der WHO (http://www.who.int/tb/strategy/en/).

HIV and TB
Die Mehrzahl der TB-Toten ist unter HIV-infizierten Menschen zu verzeichnen. Denn die beiden Erkrankungen wirken sich jeweils negativ auf den Verlauf der anderen Krankheit aus. Da HIV das Immunsystem schwächt, sind HIV-Patienten, die sich mit Mycobacterium tuberculosis infiziert haben, stärker gefährdet eine offene Tuberkulose zu entwickeln als Gesunde. Um dem tödlichen Duo zu begegnen, hat die WHO gemeinsam mit ihren Partnern eine TB/HIV-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Mehr Infos unter: www.who.int/tb/challenges/hiv/en/

Gut zu wissen:
„Patient mit einer offenen Tuberkulose, die nicht behandelt werden, infizieren durchschnittlich 10 bis 15 Menschen im Jahr.“ (WHO)

Mehr Informationen
- International Union Against Tuberculosis And Lung Disease: www.theunion.org
- WHO: www.who.int/topics/tuberculosis/en/
- WHO Stop TB strategy: www.who.int/tb/strategy/en/
- WHO Arbeitsgruppe TB/HIV: www.who.int/tb/challenges/hiv/en/
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_091/nn_196658/DE/Content/InfAZ/T/Tuberkulose/Tuberkulose__node.html?__nnn=true
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/tb

Literatur
- WHO-Merkblatt zur Tuberkulose: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs104/en/index.html
- WHO-Report 2008: Global tuberculosis control – surveillance, planning, financing: www.who.int/tb/publications/global_report/en/index.html
- WHO: „Initiative for Vaccine Research“: www.who.int/vaccine_research/diseases/ari/en/index6.html
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_091/nn_196658/DE/Content/InfAZ/T/Tuberkulose/Tuberkulose__node.html?__nnn=true
- Centers for Disease Control and Prevention:  www.cdc.gov/tb