Gelbfieber

Gelbfieberviren. © CDC
Gelbfieber in Kürze
- beim Gelbfieber handelt es sich um eine Viruserkrankung, die durch Stechmücken übertragen wird
- Gelbfieber kommt in Afrika und Teilen Südamerikas vor
- die Krankheit verläuft unterschiedlich schwer: manche Betroffenen erkranken nur leicht und das Fieber geht von alleine zurück, andere entwickeln eine schwere Hepatitis und hämorrhagisches Fieber
- es gibt einen sicheren und wirksamen Impfstoff gegen Gelbfieber. Mit ihm könnten Ausbrüche wirksam verhindert werden
- in den meisten Ländern ist die Durchimpfungsrate zu niedrig, um Epidemien wirkungsvoll zu begegnen
- viele Fälle von Gelbfieber werden nicht an die Behörden gemeldet. Die WHO schätzt, dass pro Jahr etwa 200 000 Menschen an Gelbfieber erkranken und 30 000 an dem Virus sterben
Gelbfieber im Einzelnen
Der Erreger
Das Gelbfiebervirus gehört innerhalb der Familie der Flaviviridae zur Gattung der Flaviviren. Es handelt sich um Einzelstrang RNA-Viren mit einer Größe von ungefähr 40 bis 50 Nanometer. Das RNA-Genom bildet gemeinsam mit dem C-Protein das Nukleokapsid. In der Virushülle finden sich die beiden Membranproteine „M“ und „E“.
In Afrika gibt es zwei genetisch unterschiedliche Virustypen, einer kommt in West-, der andere in Ost-Afrika vor. Auch in Südamerika gibt es zwei Typen. Seit den 1970er Jahren konnte jedoch nur einer der beiden mit Gelbfieberausbrüchen in Zusammenhang gebracht werden.
Übertragung/Pathogenese
Das natürliche Reservoir des Gelfiebervirus sind Stechmücken. Sie können Menschen und Affen infizieren und das Virus „vertikal“ über die Eier an ihre Nachkommen weitergeben. Da die Eier die Trockenperiode überdauern, kann auch das Virus in dieser Zeit überleben. In Afrika übertragen verschiedene Arten der Gattung Aedes die Krankheit, in Südamerika sind es Stechmücken der Gattung Haemagogus.
Auf dem afrikanischen Kontinent liegt die Gelfieberzone im Bereich zwischen dem 15ten Grad nördlicher und dem 10ten Grad südlicher Breite. Laut WHO leben in Afrika 508 Millionen Menschen in 33 Ländern mit der Gefahr an Gelbfieber zu erkranken. In Südamerika sind neun Länder betroffen. Der Gelbfiebergürtel erstreckt sich hier vom 20sten Grad nördlicher bis zum 40sten Grad südlicher Breite. Auch verschiedene Karibikinseln gehören zur Risikoregion.
Beim Menschen werden drei verschiedene Übertragungszyklen unterschieden. Beim sylvatischen Zyklus (auch Dschungelgelbfieber) werden Menschen (zum Beispiel Waldarbeiter) im dichten Regenwald infiziert, wo der Virus durch Stechmücken normalerweise von Affe zu Affe übertragen wird. Über die infizierte Person hinaus, breitet sich das Gelbfieber selten aus.
Anders beim intermediären Zyklus: er kommt in besiedelten Gebieten vor, in denen Stechmücken, Menschen und Affen nahe beieinander leben (zum Beispiel in der Nähe eines Waldes). Hier kann es zu kleineren Epidemien kommen. Nach Angaben der WHO ist das intermediäre Gelbfieber in den vergangenen Jahrzehnten die häufigste Ursache für Gelbfieberausbrüche in Afrika gewesen. Das urbane Gelbfieber (urbaner Zyklus) kommt in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte vor. Gerät das Virus hier in Umlauf, kann es zu großen Epidemien kommen: der Erreger wird durch Mücken rasch von Mensch zu Mensch übertragen.
Symptome
Der Infektion folgt eine drei- bis sechstägige Inkubationszeit. Während manche Menschen symptomfrei bleiben, entwickeln andere in der Akutphase der Erkrankung unspezifische Krankheitszeichen wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen.
Bei etwa 15 Prozent der Erkrankten entwickelt sich innerhalb von 24 Stunden eine so genannte toxische Phase. Sie bekommen hohes Fieber und Bauchschmerzen, bluten aus Nase, Mund, Augen und Magen und erbrechen sich – auch mit Blut. Auch Nieren und Leber geraten in Mitleidenschaft. Durch die Leberschädigung kommt es zu der typischen Gelbsucht. Allerdings ist diese nicht so ausgeprägt, wie man aufgrund der Bezeichnung „Gelbfieber“ annehmen könnte. Etwa 50 Prozent der Patienten mit einer toxischen Phase sterben innerhalb von 10 bis 14 Tagen. Insgesamt beträgt die Sterberate bei Gelbfieber 10 bis 20 Prozent.
Behandlung
Es gibt keine spezielle Gelfieber-Therapie. Nur die Symptome können behandelt werden. Der Dehydrierung zum Beispiel kann man durch die Gabe von Rehydrations-Salzen entgegenwirken. Bakterielle Superinfektionen können mit Antibiotika behandelt werden.
Prävention
Gelbfieber-Epidemien können durch Impfungen verhindert werden. Auch ein konsequentes Vorgehen gegen die Stechmücken (etwa durch den Einsatz von Insektiziden oder durch individuellen Mückenschutz mit Netzen und entsprechender Kleidung) kann Übertragungen verhindern. Solche Maßnahmen sind zum Beispiel am Anfang einer Epidemie hilfreich. Sie können aber auch dabei helfen, die Zeit zu überbrücken, bis eine Impfung ihre Wirkung entfaltet. Wer als Urlauber in eine Risikoregion reist, sollte sich impfen lassen.
Impfung
Der Gelbfieberimpfstoff wird seit den 1950er Jahren genutzt. Verwendet wird das abgeschwächte, attenuierte Virus. Innerhalb von einer Woche nach der Impfung entwickeln 95 Prozent der geimpften Personen eine Immunität. Der Impfschutz besteht für mindestens 10 Jahre, manchmal ein Leben lang. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Vor allem bei Älteren kann es jedoch zu Gegenreaktionen kommen. Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie immungeschwächte Personen sollten nicht geimpft werden.
In den Risiko-Gebieten ist es nach Ansicht der WHO sinnvoller, alle Kinder einer routinemäßigen Impfung zu unterziehen als erst im Fall eines Ausbruchs große Impfkampagnen zu starten. Eine Gelbfieber-Impfung könnte zum Beispiel im Alter von neun Monaten gemeinsam mit der Masernimpfung oder anderen Impfstoffen verabreicht werden.
Inzidenz und Mortalität
Nach Angaben der WHO gibt es jährlich 200 000 Fälle von Gelbfieber und 30 000 Todesfälle. Die Zahl der gemeldeten Fälle ist jedoch angesichts der bis dato unzureichenden weltweiten Gelbfieber- Überwachung viel geringer. Im Jahr 2005 zum Beispiel wurden weltweit nur 588 Fälle gemeldet. Bislang weisen nur wenige Länder in den Risikoregionen Durchimpfungsraten auf, die zur Vermeidung von Krankheitsausbrüchen ausreichen würden. Die Durchimpfungsraten lagen 2005 weltweit bei 43 Prozent, in Afrika bei 37 Prozent und in Amerika bei 70 Prozent. Um einer Epidemie wirksam vorzubeugen, sollte ein Land nach Ansicht von WHO-Experten eine Durchimpfungsrate von mindestens 80 Prozent aufweisen.
Gut zu wissen...
Während der Bauarbeiten für den Panamakanal starben mehr als 100 000 Menschen an Gelbfieber. Der Kanal konnte erst fertig gestellt werden, nachdem die Stechmücken in dem Gebiet ausgerottet worden waren.
Mehr Information
- WHO: www.who.int/topics/yellow_fever/en/
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/dvbid/yellowfever/index.html
Literatur
- WHO-Merkblatt zum Gelbfieber: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs100/en/
- Centers for Disease Control and Prevention: www.cdc.gov/ncidod/dvbid/yellowfever/index.html
- Robert Koch Institut: www.rki.de/cln_091/nn_467542/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Rat__Gelbfieber.html
- Molekulare Virologie, Susanne Modrow, Dietrich Falke, Spektrum Akademischer Verlag GmbH Heidelberg, 1997

